LWB Luxemburger Wörterbuch
 
kléngelen bis Klibber (Bd. 2, Sp. 387a bis 389b)
 
kléngelen intr. Verb.: 1) «klingeln» — en huet mat de Schlëssele gekléngelt; 2) «große Worte machen, prahlen, aufschneiden» — et war knapps geschitt, du as hie schon dermat k. gaangen (ähnlich: du huet en et un d'grouss Klack gehaang — in der Öffentlichkeit verkündet) — Echt.: e geet dorëm mat seim Geld k. (er prahlt mit seinem Reichtum).
 
Klénk F.: 1) «Türklinke alter Bauart» (bestehend aus einer Einschlagfalle mit Daumendrücker, die hinter einem Hakenstück festsaß) — die modernen Typen von Türklinken tragen vorzugsweise den rom. Namen Klentsch (s. d); 2) «hängender Nasenoder Mundschleim» (bei der Kuh; bisw. spaßh. auch bei Kindern: wie Klackesäl oder Hénkel sub 3) — der Nasenschleim der Kuh heißt auch Spigel — spaßh. Zurechtweisung eines Jungen, dem der Nasenschleim aus der Nase lugt: Mätti, d'Klénke klongeren, zéi s'op, soss trëtts de dran; 3) die von Wb 06 vermerkte Ra.: d'Klénke schloen «seine Zeit vergeuden» führt Rhein. Wb. IV/731 auf ein altes Schlagholzspiel zurück, das dem lux. Giisch II/56 entspricht (und in den ripuarischen Mundarten Klénke schloen heißt); es heißt in lux. Lokalmundarten aber auch: d'Kléck (s. d. sub 5) oder d'Kléng(e) schloen; 4) lok.: «Eiszapfen» (bisw. in dieser Bed. Klinken, Äisklénken) — s. Kaachel II/257.
 
klénkeg Adj.: 1) von der Kuh, und spaßh. von Kindern: «mit Rotzfäden an den Nüstern, an der Nase» — déi Fra huet emol e klénkege Bouf (cf. Klénkert sub 4); 2) von der Kuh: «brünstig» (cf. klénken sub 4) — in gemeiner Spr. von Menschen: déi klénkeg Klont.
 
Klénkeisen N.: 1) «Stimmgabel»; 2) «Triangel».
 
klénken, seltener, ans Hd. angelehnt kléngen (Part. Prät. geklong, geklongen, daneben auch schwach geklénkt, Ind. Prät. im Nordösl. et klong) intr. Verb.: 1) «klingen» — dat klénkt richteg, falsch, éierlech usw. — dat klénkt nët (gibt keinen schönen Ton) — et klénkt mer am Ouer (d'Ouer klénkt mer — es klingt mir im Ohr) — bisw. lok. in dieser Bed.: d'Ouere klanke mer — das Ohrenklingen gilt als Zeichen, Mahnung (Waréng): 't klénkt mer am rietsen Ouer, 't seet ee Guddes vu mer, oder 't lénkst Ouer klénkt mer, 't as een am Gaang mech ze beschäissen, auch einfach ech hat geduecht, datt et esou kéim, well 't hat mer am Ouer geklongen — et kléngt mer nach an den Oueren — dat do klénkt schon anescht, besser (das gibt einen bessern Ton, bes. wenn jem. Geld herausrückt) — klénkt et nët, da rabbelt et dach (wenn es auch keinen schönen Klang ergibt, so macht es doch Geräusch, d. h.: auch kleine Geldstücke, die nicht aus klingendem Edelmetall sind, werden mit Dank angenommen) — d'Glieser klénken; 2) übtr.: «mit klingender Münze zahlen» — in den Raa.: Wien nët mat klénkt, deen nët mat drénkt (wer die Zeche nicht mit bezahlt, der darf auch nicht mittrinken) anders: Wien drénkt, bei deem et klénkt; 3) bisw. wie klongeren (s. d.); 4) lok. in ländlichen Maa.: «brünstig sein» (von der Kuh) — d'Kou klénkt (sonst meist: d'Kou as spilleg) = d'Kou huet Klénken (s. Klénk sub 2) — im Weimerskircher Jenischen auf Menschen übtr.: «sabbern».
 
Klénkert M.: 1) «Feuerkröte, Unke, Bombinator igneus» — auch: Klonkenell (cf. die ähnlich gebildete frz. Bez. crapaud sonnant); 2) Art Fisch (cf. Blénkert); 3) bisw. wie Klentschendréckert (s. d.); 4) «Rotzbube» (Vorstädte von Luxbg. — aus dem Jenischen) cf. d. vor. sub 4).
 
Klénkeschbir F.: «Art Eßbirne» (die durch das Lagern gerötet wird); [Bd. 2, S. 388] zu jem. der zu umständlich erzählt, sagt man: mir haten emol e Klénkeschbirebam.
 
Klënt M.: «(sonderbarer) Kunde, Kauz» — im Kraftwort: Zapper Klënt.
 
Klen(t)sch, Klën(t)sch (Westlux. klε·əntS kle·intS) F.: 1) «Türklinke» (gängige Art, mit gerader oder geschwungener Handhabe oder Knauf) — en hänkt all gudden Dag un eiser K. (er begehrt häufig Einlaß bei uns) — e geet d'Klentschen drécken (betteln, hausieren, Wahlpropaganda von Haus zu Haus betreiben, ein Handelsprodukt anpreisen, u. dgl., sich um einen Posten bewerben) — d'Klentsche gi mat Kofferbotz geblénkt — wann een nët (gutt) oppasst, dann hänken engem d'Kanner un der K. ze kluntschen — 't Dir as nët an der K., si klabbert am Wand (die Türe ist nicht eingeklinkt, sie klappert im Wind) — spär d'Dir nët zou, maach se nëmmen an d'K. (dréck, gehei se an d'K., looss se an d'K. falen) — der ältere Daumendrücker heißt eher Klénk (s. d. sub 1) — nach Rhein. Wb. IV/709 (Karte 21) beschränkt sich Klentsch auf das Gebiet des heutigen Großherzogtums mit Einschluß eines schmalen Streifens Neuerburg-St. Vith, setzt sich dann südlich in den lothringischen Mundarten längs der Sprachgrenze fort, das Wort gehört mit frz. clenche, wall. clitche HAUST, Dict. Liégeois 153, lothr. kianche ZELIQZON 392 zu dem frk. Wort klinka, das in anderer Entwicklung auch in Klénk vorliegt; zum Lautwandel -nk ^> -ntsch cf. BRUCH, Grundlegung III/12 und Kurt REIN in 'Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen' Bd. I/280 ff., er ist charakteristisch für den lux. Raum; 2) «Teil des Webstuhls» (zum Regulieren des Garbam II/9); 3) «Metalldeckel an einem Halbliterbierkrug» —en Humpe mat enger K. (ähnl.: mat engem Telefon, da der beim Trinken hochgeklappte Deckel an die Hörmuschel erinnert); 4) volkstümlicher Rechtsbegriff: se sin op d'K. bestued (im Hause wohnhaft, ohne Recht auf spätere Rechtübernahme), im Gegs. zu abestued, das alle Rechte einbegreift, und an d'Haus bestued, mit geringeren Rechten.
 
Klen(t)schdrock M.: «Klinkendruck», bes. in der Ra.: en as op e K. doheem (von einem Eingeheirateten, der zuhause nichts zu sagen hat).
 
klen(t)schen, klën(t)schen intr. Verb.: «die Klinke drücken» — d'Kand stoung vrun der Dir ze k., an 't huet keen em opgemat — klentsch emol, d'Dir as vläicht nët zougespaart — übtr.: du hues gutt k., du kënns nach esou bal nët an (trotz deiner Anstrengungen bist du noch weit vom Ziele weg; auch obszön: du wirst sie dir noch so bald nicht willfährig machen).
 
Klen(t)schendrécker(t) M.: 1) «Leisetreter»; 2) «Bittsteller an höheren (z. B. Regierungs-)Stellen, Bewerber»; 3) «Bettler, Hausierer, Handelsreisender» — cf. Klénkert sub 3 — dee K. kënnt mer nët bannen d'Haus (der Vagabund kommt mir nicht ins Haus; etwa v. einem unerwünschten Freier).
 
Klënter(t) M.: 1) «verschmitzter Mensch» (cf. Klënt); 2) «Mann, der immer im Wirtshaus sitzt».
 
Klëppel, neben Knëppel (Ostrand Klepel, Knepel) M.: 1) «Knüppel, derber Stock» — mat Klëppele fänkt ee keng Vullen (andere Variante sub Vull I/423) — maach wéi s de denks, ech geheien der keng Klëppelen an d'Rieder (tëschent d'Been — ich werde dir keine Schwierigkeiten bereiten) — dee schléit gläich mat Klëppelen dran (geht gleich ungestüm vor) — dat do as mat Klëppelen an de Bam geschmass (das ist das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, mit der Tür ins Haus gefallen); 2) «Trommelschlägel» — et muss een nët gläich d'Klëppele bei d'Tromm leën (man muß nicht gleich seine Bemühungen einstellen); 3) «Stock des Gemeindeboten» (als Zeichen seiner Amtswürde) — Echt.: ich verbéide (mir) mäi Klepel (ich untersage es von Amts wegen); 4) «ungehobelter Mensch» — wann dee K. d'Trap eroptrëllt, dann ziddert de Stack — cf. auch die Komp. I-Klëppel, Louklëppel (dazu auch Klëppelkrich) — du wäers der dach vun esou engem K. aus der I-Schoul (aus dem ersten Schuljahr) näischt virmaache loossen — zu I/76 ist Bauereklëppel nachzutragen; 5) «Witwenkraut, Knautia arvensis»; 6) lok.: «Spielküglein, Schusser» — wofür sonst: Bueter, Jhick, Mierbel, Wak; cf. das Dim. Këppelchen; dazu die Abl.: Geklëppels N.: 1) «Knüppelware» (Holz zu Heizungszwecken) — 't war elauter G.; 2) «grobe Waren, grobe Arbeit».
 
Klëppel- -arméi F.: «die bewaffneten Bauernhaufen des Klëppelkrich» (s. d.). — von ausgelassenen Rangen: et war déi rengste K., oder 't huet ee gemengt, d'K. wier lass; [Bd. 2, S. 389] -bier (neben: Klëppels-, Klëppsbier) N.: «Erdbeere» (lok. Osten); -holz N.: «Brennholz in Form von Klëppelen»; -kouerd F.: «zwei Ster Knüppelholz»; -krich M.: Bauernaufstand im Norden (Ardennen, Ösling) des Département des Forêts gegen das französische Regime; schon im Germinal des Jahres IV (März-April 1796) brach in den wallonischen Kantonen des Herzogtums Luxemburg eine offene Revolte aus (Jos. MÆRTZ in 'T Hémecht' III/2 S. 122 ff.), die im September 1798 in den germanophonen Kantonen zum Klëppelkrich führte (ZORN, Der Luxemburger Klöppelkrieg, Luxemburg 1898; Robert van ROOSBROECK, Die Bauernaufstände in den südlichen Niederlanden im Jahre 1798, in Rhein. Vjbl. VII, 337; VERHAEGEN, La Belgique sous la domination française 1792-1814 II, 352 ff.). — Nach dem Beispiel dieses Wortes wurde zu Beginn der deutschen Usurpation 1940-44 die Bezeichnung Spéngelskrich (s .d.) gebildet; -stän, -steen M.: 1) «Hagelschlosse» — Klëppelsteng, Kärelen ewéi Héngerär; 2) spaßh.: «Sago-, Tapiokakorn» — eng Zopp mat Klëppelsteng oder Klëppelstengszopp; cf. auch Klappe(l)-, Knappe(l)stän und Klabberstän.
 
Klëppelchen M.: Dim. zu Klëppel (s. d.), vor allem im Ausdruck: Klëppelchen aus dem Sak (Kinderschreck; cf. das sub Klompsak beschriebene Spiel).
 
klëppelen Verb.: 1) intr. u. refl.: «Schläge austeilen, sich zerprügeln»; 2) intr.: «die Lohhecken durchforsten»; 3) intr. u. trans.: «die Louklëppelen in der Zeit des ersten Safttriebes bearbeiten».
 
klëppelzeg Adj.: «ungeschlacht» (wie ein Klëppel sub 4); dazu die Abl. Klëppelzegkät, -keet F.: «Lümmelhaftigkeit, Blödelei».
 
Klëppercher (-el-) Pl. M.: «Zuckerbohnen» (Bous bei Remich) — lok.: Art Dragées mit Kümmel oder ähnlichem Kern.
 
Clere (klε:ər) M.: «Schreiber» — heute nur noch im Sinne von Clere de Notaire (klε:rdə/nOtε:ər — so bes. in den Kantonalvororten) M.: «Notarschreiber» — dem Notär säin éischten, zweten . . . C.
 
Clergé (/klεrʒe·) M.: «Klerus» — sprichwörtlicher Name eines gewichtigen Pfarrherren (Esch/Alz.): de Clergé — hien as éischte Mann beim C.
 
Klëstéier M.: «Klistier» — dafür am Ostrand: Klistéiër.
 
klëstéieren trans. Verb: «mit einem Klistier behandeln» — heute gilt nur noch das Nomen Lavement (wie Frz. aber Ton: 1), Lawemang und verbal: engem e L. maachen.
 
Klëstéiersprëtz F.: «Klistierspritze» (cf. d. vor.).
 
Klett F.: «Klette» — häufige gemeinlux. phV. zu Kliet (s. d.); unter schriftdt. Einfluß eingebürgert.
 
Kletteknapp M.: «Klette» (lok.).
 
klëtteren intr. Verb.: «schlecht und recht ausbessern» (Ostlux.) — wann s du aus geklëttert hues, dann hält de Won nët méi zesummen.
 
Klëtterscholden Pl. F.: «kleine Schulden» (Ostlux.).
 
Klibchen M.: Dim. zu Klub, Club — s. d.
 
Klib(b)eklap F.: «Kinderklapper» (cf. auch Kläiklapp).
 
Klibber F.: 1) = Klabber in allen Bed. (s. d.); 2) «wackeliger Gegenstand» (ähnlich faul Bréck, Fallbréck I/149 u. 300).

 

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