LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kopei bis koraméieren (Bd. 2, Sp. 440b bis 442b)
 
Kopei (Ton 2) auch übertr. in der Ra. 't as eng K. vun engem Mënsch (ein schmächtiger Mensch) — in diesem Sinn als Dim. besonders für Frauen gebräuchlich: eng arem Kopeichen vun engem Framënsch, dafür auch Abzebild s. d.; b. «Schreibmaschinendurchschlag» — maach mer dräi Copië vun deem Artikel; c. «alle Manuskripte» (Original oder Abschrift — Druckerspr.); d. C. belge: «(unbefugter) Nachdruck eines anderwärts publizierten Artikels» (Druckerspr.); 2) «Abzug» (z. B. eines Fotos) — cf. ofzéien — déi C. vun deem Negativ as nët faméis (as ze blatzeg); 3) «Nachbildung» (z. B. eines Gemäldes) — 't as nëmmen eng C. (im Gegensatz zum Original).
 
kopiéis Adj.: «reichlich» — 't war eng k. Moolzecht — frz. copieux.
 
Koplescht ON.: «Kopstal» — Gem. Kopstal, Kant. Kapellen — 396 — beim Kegelspiel heißt es, wenn der König (oder der hintere Kegel) allein herausgespielt wird: dat sin der sechsandrësseg (véieranzwanzeg) zou K.
 
Kopleschter M.: «Einwohner aus Kopstal» — s. a. das folg.
 
Kopleschter Adj.: «von Kopstal» — déi K. Daudien (Kallefgeschlénger) (Spottnamen der Einwohner von Kopstal) — déi K. Kierfmecher — d'K. Weiden — d'K. Heed (Gemarkung bei Kopstal) — ech wëllt du wäärs op der K. Heed (wo der Pfeffer wächst) [Bd. 2, S. 441]die K. Heed ist in der Erinnerung geblieben als Versammlungsplatz der Hexen.
 
Kopp F.: 1) a. «Trinkbecher» (Ga, Wb 06) — entspricht der ursprünglichen, heute veralteten Form des Wortes, in dem das mlat. F. von coppa, cuppa sich auch in der Bedeutungsentfaltung bewahrt hat — in der ursprünglichen Bedeutung trifft es sich mit frz. Coupe (s. d.), ist aber vornehmlich in dem Dim. Këppchen (s. d. II) lebendig geblieben; b. «Schröpfkopf» — Koppe setzen; 2) «oberer Teil des Kopfes (Scheitel)», dann auch «Kopf» überhaupt — steht in derber Ausdrucksweise häufig für Kapp (s. d. Bd. II S. 289) und wird in vielen Raa. nur statt letzterem gebraucht — eng plakeg K. (ein kahler Kopf) — eng ho(o)mbiche K. (ein harter Kopf) — eng K. wéi mam Beilen zougehaen — en huet keng Hoer (kä Still Hor) méi op der K. — e kritt d'K. geschuer (von der Tonsur junger Geistlicher) — ha em dach eng an (iwer) d'K. (ohrfeige ihn) — d'Grujhele gi mer d'K aus. (mich gruselt) — en huet sech K. iwer Aasch ewech gemaach (en as iwer K. an Hënner, iwer Koppen ewechgeflun — in Übereile) — ech huelen e mat der K. (werde ihn mir vornehmen) — en huet näischt (Stréi) an der K. (ist dumm) — en huet näischt an der K. wéi Dommereien (ist nicht ernsthaft) — en huet keng Gutt an der K. (sinnt nichts Gutes) — wat huet deen Temboen (Spiichten, Spréng, Tricken) an der K. (tolle Einfälle), wann eng Sau déi an der Panz hätt, déi géif doutsicher verwerfen — fir dat ze man, muss än eppes an der K. hun (dazu muß man intelligent sein, auch: muß man viel überlegen) — deen huet eppes an der K. (ist intelligent, auch: ist stolz) — en huet sech dat esou an d'K. gesat (läßt damit nicht locker, auch: bildet sich das so ein) — wann deen emol eppes an der K. huet (wenn er einen Vorsatz gefaßt, sich in eine Idee verkrampft hat) — schlo der dat aus der K. (gehe ab von dieser Idee) — dat Meedche leit em de ganzen Dag an der K. (er wird den Gedanken an sie nicht los) — ech hun d'ganz Haus op d'K. gekéiert fir dat Buch erëmzefannen (habe das Oberste zu unterst gekehrt) — 't as e Schellëm seng K. aus — ech hätt et nët fond, a wann ech mech op d'K. gesat (gekéiert, gestallt, geworft) hätt (ich wäre unter keinen Umständen darauf gekommen) — dat Bild hänkt op der K. (hängt verkehrt) — d'Buschtawe stin op der K. — e kann op der K. liesen (wenn er den Schriftsatz verkehrt hält) — dee Bouf danzt hinnen op der K. (sie lassen sich alles von ihm gefallen) — dee geet geschwënn op der K. (vor Größenwahn) — d'ganz Welt steet op der K. (alles geht drunter und drüber) — en danzt op der K. (tut etwas Verkehrtes) — ech sin op der K. (bin unwohl) — e leit op der K. (ist schwer erkrankt) — d'K. gät bei den Hënner zeruuchten (wenn einer kahlköpfig wird) — se si K. an Aasch zesummen (sind eng befreundet) — K. an Aasch heißen das spitze und das stumpfe Ende des Eies, beim Técken (s. d.) der Ostereier fragt man deshalb K. oder Aasch? 3) «Helm eines Destillierapparates» — d'K. as ugebrannt — op der K. gët den Druff geprouft — s. Branntwäinskopp; 4) «Haube einer Glocke» (der obere Teil, die Krone, an der der Henkel befestigt ist); 5) «gewölbter Ofendeckel» — huel d'K. eraf; 6) «Kopf eines Hutes» — se haten em am Jhumm d'K. vun der Dunn ageschloen; 7) «Anhöhe» — trifft sich mit hd. «Kuppe» — d'Stéck läit op der K. — wäre mer endlech op der K. — dazu das Dim. Këppchen s. d. I sub 2.
 
Kopp- -aasch M.: «Stoßwirkung beim Reiten und Fahren» (Reitwolf) — en huet de K. kritt vum Velossfuren; -enn N.: in der Ra. iwer K. ewechfléien (in aller Eile); -däl M.: «Armlehne» (Sattlerspr. C); -här M. s. Kapphär — dazu deen as ëmmer beim Spillen de K. (von einem Jungen, der sich beim Spiel immer die Führung aneignet) — dee Wéngert as a bleift de K. vum ganze Bann (jener Weinberg ist und bleibt der erste auf der ganzen Flur); -labunz s. Kapp(e)libunzel — dazu Koppedus (Vianden) und die Dim: Kopplabinzelchen, Koppedais-chen, Koppediis-chen (Vianden) — gängigste Ra.: d'K. schloen, seltener: d'K. maachen (z. B. Schengen).
 
koppeg (Ostrand koppig) Adj.: 1) «gewölbt» — eng k. Gääss (Ziege ohne Hörner) — e koppege Wann (mechanische Getreideschwinge, durch Kurbelantrieb in Bewegung gesetzt); eng k. Ischt (Osten, Eggenart); 2) «holperig» — e koppege Wee; 3) «buckelig» (von Menschen) — 't as fir sech k. ze laachen (auch: kromm a gebockeleg); 4) «sonderbar, wunderlich» — 't as e koppege Kärel (ein [Bd. 2, S. 442] Kauz) — e koppecht Mënsch (ein sonderbares Frauenzimmer) — eng k. Geschicht (ein sonderbarer Vorfall, eine eigenartige Angelegenheit) — substantiv.: en huet eng K. geschniden (hat ein sonderbares Gesicht gemacht — meist abschätzig) — sou eppes Koppeches hat ech nach nët erlieft; 5) «halsstarrig» (Ga); 6) in dem Ausdruck e koppege Kaarp — s. Kaarp.
 
Koppegkät, -keet F.: «Absonderlichkeit».
 
Koppel I M.: 1) «Ortscheit, Schwengel» (zur Befestigung der Zugstränge an Fuhrwerken) — en hëlze K. — en eise K. — en duebele K. — d'Päärd hun de K. futti gerass — ech muss deem enge Päärd méi K. gin (damit die Zugkraft des stärkeren Pferdes zu Gunsten des schwächeren ausgenutzt wird) — s. Balance sub 2, dafür auch: Wuet; 2) «Koppel (am Seitengewehr), Leibriemen, Degengehenk».
 
Koppel II F.: 1) «zum Anspannen geeignetes, auf einander abgestimmtes Paar (Joch) Ochsen»; 2) «zusammen passendes Paar von Menschen, Tieren, Sachen» — dat gët eng schéi K. (meist Dim.: Këppelchen s. d., ein zusammen passendes Ehepaar) — eng K. Kanner (Zwillinge — s. Dublett sub 2) — ech muss än hun, dee mer d'K. hält (das Gleichgewicht) sot de Schnappsert; 3) «zwei Stück gleicher Art» — eng K. Är — eng K. Wirschtercher; 4) «Beutelnetz» (Fangnetz mit Bügel und Griff); 5) «Koppelriemen oder Koppelseil».
 
Koppel- -bengel M.: «Führstange» (Jochstecken Wb 06); -gréitchen N.: «Vorrichtung, beim Drehen von Seilen gebraucht» — ein Rad ist auf einem aufrecht stehenden Pflock befestigt. Wenn der Faden am Rande angeknüpft ist, wird er mit der rechten Hand angezogen und das Rad in einem ziemlich schnellen Tempo herumgeworfen, wodurch die Drehung erzielt wird. Dabei läßt die linke Hand das Werg nachkommen. Ist die Drehung genügend und hat der Faden 1½ Meter Länge erreicht, so wird er auf einem Zapfen hinter dem Rade aufgewickelt. Sind die Zapfen ganz angefüllt, so wird der Faden zu einem Knäuel abgewickelt (Wb 06); -schanz M: «Eichhörnchen» (Sierck) — s. Kawäächelchen; -still(ert) M.: «Art Apfel mit besonderer Form am Stiel».
 
koppelen trans. V.: 1) «zwei oder mehrere Tiere durch Stricke oder Ketten aneinanderbinden» — koppel déi zwou Kéi an da fiirs de mat hinnen aus — cf. ukoppelen; 2) «ein Paar bilden, heiraten, kopulieren» — se koppele sech (beim Tanz bilden sich Paare) — elo sin se gekoppelt (getraut) — hingegen: déi si schon laang gekoppelt (leben schon lange in wilder Ehe) — gekoppelt as nach laang nët bestued; 3) auch absol. «(unerlaubten) Tauschhandel treiben» (besonders von Kindern gesagt) — maach, dass de nët koppels! — dee Bugger (kleiner Bursche) koppelt scho wéi en ale Judd — dazu die Abl.: Gekoppels N. — dat war e G. ouni Enn; 4) «Schläge, Ohrfeigen in Tausch nehmen» — ech fierchten, du koppels mer eng of (eine Ohrfeige); 5) «mit der Koppel (s. d. II sub 4) fischen».
 
Koppeler M.: «Junge, der gerne Tauschhandel treibt».
 
Kopp(e)lerei F.: «Tauschgeschäft».
 
Koppmar (Ösling) — s. Kockmar.
 
Koprous M.: «Eisenvitriol» (in Wasser aufgelöst, wird zum Schwärzen der Schuhe verwandt) — frz. couperose.
 
Coquin (wie frz., doch Ton 1) M.: «Nichtsnutz, Schelm».
 
Coquinerie (wie frz.) F.: «Schurkerei».
 
Kor (an der Südwestgrenze), Kar (Westen), Kuer (Luxbg.-Stadt) Flußname F.: «Korn».
 
Cor M.: «Horn» (Musikinstrument) — dazu: Cor anglais: «englisch Horn» — Cor de chasse: «Jagdhorn».
 
Choral M.: «Choral» (Kirchengesang) — se hun de Ch. nach geprouft — ech ka kä Ch. (kenne die Choralnoten nicht) — dazu die Zussetz.: Choralbuch N.: «Choralbuch» — 't sin elo nei Choralbicher eraus (sind erschienen).
 
Chorale (wie frz.) F.: «Kirchenchor, Sängerchor in der Schulen» — im besondern «gemischter Männer- u. Frauenchor» (als Kurzname für Chorale mixte) — d'Ch. mécht haut hiren Ausflug — en as an der Ch.
 
Korall F.: «Koralle» — dazu die Zussetz.: Koralleketten, -collier M. (wie frz., doch Ton 4): «Korallenhalsband» — cf. Kräll.
 
koraméieren trans. V.: «zur Rede stellen, scharf tadeln» (unter vier Augen).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut