LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Koppel- bis Charakter (Bd. 2, Sp. 442a bis 443a)
 
Koppel- -bengel M.: «Führstange» (Jochstecken Wb 06); -gréitchen N.: «Vorrichtung, beim Drehen von Seilen gebraucht» — ein Rad ist auf einem aufrecht stehenden Pflock befestigt. Wenn der Faden am Rande angeknüpft ist, wird er mit der rechten Hand angezogen und das Rad in einem ziemlich schnellen Tempo herumgeworfen, wodurch die Drehung erzielt wird. Dabei läßt die linke Hand das Werg nachkommen. Ist die Drehung genügend und hat der Faden 1½ Meter Länge erreicht, so wird er auf einem Zapfen hinter dem Rade aufgewickelt. Sind die Zapfen ganz angefüllt, so wird der Faden zu einem Knäuel abgewickelt (Wb 06); -schanz M: «Eichhörnchen» (Sierck) — s. Kawäächelchen; -still(ert) M.: «Art Apfel mit besonderer Form am Stiel».
 
koppelen trans. V.: 1) «zwei oder mehrere Tiere durch Stricke oder Ketten aneinanderbinden» — koppel déi zwou Kéi an da fiirs de mat hinnen aus — cf. ukoppelen; 2) «ein Paar bilden, heiraten, kopulieren» — se koppele sech (beim Tanz bilden sich Paare) — elo sin se gekoppelt (getraut) — hingegen: déi si schon laang gekoppelt (leben schon lange in wilder Ehe) — gekoppelt as nach laang nët bestued; 3) auch absol. «(unerlaubten) Tauschhandel treiben» (besonders von Kindern gesagt) — maach, dass de nët koppels! — dee Bugger (kleiner Bursche) koppelt scho wéi en ale Judd — dazu die Abl.: Gekoppels N. — dat war e G. ouni Enn; 4) «Schläge, Ohrfeigen in Tausch nehmen» — ech fierchten, du koppels mer eng of (eine Ohrfeige); 5) «mit der Koppel (s. d. II sub 4) fischen».
 
Koppeler M.: «Junge, der gerne Tauschhandel treibt».
 
Kopp(e)lerei F.: «Tauschgeschäft».
 
Koppmar (Ösling) — s. Kockmar.
 
Koprous M.: «Eisenvitriol» (in Wasser aufgelöst, wird zum Schwärzen der Schuhe verwandt) — frz. couperose.
 
Coquin (wie frz., doch Ton 1) M.: «Nichtsnutz, Schelm».
 
Coquinerie (wie frz.) F.: «Schurkerei».
 
Kor (an der Südwestgrenze), Kar (Westen), Kuer (Luxbg.-Stadt) Flußname F.: «Korn».
 
Cor M.: «Horn» (Musikinstrument) — dazu: Cor anglais: «englisch Horn» — Cor de chasse: «Jagdhorn».
 
Choral M.: «Choral» (Kirchengesang) — se hun de Ch. nach geprouft — ech ka kä Ch. (kenne die Choralnoten nicht) — dazu die Zussetz.: Choralbuch N.: «Choralbuch» — 't sin elo nei Choralbicher eraus (sind erschienen).
 
Chorale (wie frz.) F.: «Kirchenchor, Sängerchor in der Schulen» — im besondern «gemischter Männer- u. Frauenchor» (als Kurzname für Chorale mixte) — d'Ch. mécht haut hiren Ausflug — en as an der Ch.
 
Korall F.: «Koralle» — dazu die Zussetz.: Koralleketten, -collier M. (wie frz., doch Ton 4): «Korallenhalsband» — cf. Kräll.
 
koraméieren trans. V.: «zur Rede stellen, scharf tadeln» (unter vier Augen).
 
koranzen, kuranzen trans. V.: «derb anfahren, prügeln».
 
Koräntchen (Pl. Koräntercher) M.: «Geldstück aus Silber» (= 50 Pfennig Goldwährung) — schon gegen 1900 veraltet, [Bd. 2, S. 443] dafür damals meist: Stéckelchen s. d. — zu K. die veralteten Zussetz.: Koräntches-, Koränterchesbuttéck, -buttick M.: «Laden, in dem alle Waren einen K. kosteten» — s. Stéckelchesbuttéck.
 
Corbeille (wie frz., doch Ton 1) F.: 1) «Blumenarrangement in Zierkorb» (als Geschenk bei Familienfesten wie Verlobung, Hochzeit, Kommunion); 2) «Blumenbeet»; 3) «eingefaßter Platz an der Börse».
 
Corbeille d'or (wie frz., doch Ton 1), Korbeildor F.: «Felsensteinkraut» (Alyssum saxatile).
 
Corbillard (wie frz., doch Ton 1), Korbiljar M.: «Leichenwagen».
 
Kordel F.: «schnurartig gedrehte Seide, Wolle u. ä.» — frz. cordelière.
 
Cordon (wie frz., doch Ton 1) M.: 1) «Schnur, Litze»; 2) «Klingelzug, Zug zum Ein- und Ausschalten des elektrischen Lichtes» (selten: zum Öffnen der Tür); 3) «starker Zwirn zum Nähen von Knopflöchern»; 4) «Drahtspalier»; 5) «Postenkette»; 6) Art Orden in der Zussetz.: grand Cordon; 7) in dem Ausdruck: C. bleu: a) «gute Köchin»; b) «mit Schinken und Käse gefülltes Kalbsschnitzel».
 
Cordonnet (wie frz., doch Ton 1) M.: «grobe Nähseide».
 
Cordonnier (wie frz., doch Ton 2) M.: «besserer Schuster» (veraltet).
 
Koreaner M.: «Mitglied des luxemburgischen Koreakontingentes».
 
Koréier (Ga, Wb 06) M.: in der Ra.: an engem K. (in einem Zuge, in einem Stück) — veraltet — cf. Courrier.
 
Korekter M.: meist ironisch für das allgemein übliche Charakter: «Charakter» — en huet e schlechte K. — dat nennt ä K. hun (von einem wetterwendischen Menschen) — sonst: deen huet Ch. (eine feste Haltung) — übtr. dat ännert de Ch. vun der Saach (die Eigenart der Angelegenheit).

 

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