LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Krauchicht bis Krautwéngert (Bd. 2, Sp. 455a bis 456a)
 
Krauchicht F.: «soviel man beim Jäten der Länge oder der Breite nach vor sich nimmt, kniend».
 
Kraud F.: «Platz, wo viel zu krauden (s. d. sub 1) ist».
 
Kraudecht F.: «was man auf eine Hotte laden kann».
 
kraudeg, kroudig (lok. Echt.) Adj.: 1) «viel Kraut hervorbringend oder enthaltend» — e kraudegt Stéck (wo viel Unkraut wächst) — kraudegt Geschir (Getreide mit viel Gras); 2) «mürrisch, streitsüchtig» (Echt., Nösl. auch kraudrig).
 
krauden, krëdden (Esch-Alz., Redingen), krodden (Merschertal) intr. V.: 1) a. «Wildgras einsammeln» (früher häufig bei kleinen Leuten, die kein Futter hatten); b. «Grünfutter für Kaninchen einsammeln»; 2) «Unkraut entfernen» — spaßh. «einzelne Haare ausrupfen»; 3) spaßh: «botanisieren».
 
Kraudesch F.: «Frau, deren gewöhnliche Beschäftigung das Krauden (s. d. sub 1) ist».
 
Kraudsak M.: «Sack, in dem man das gerupfte Gras nach Hause trägt».
 
Krauecht F.: «Steinfuhren, die alle Pferde- und Wagenbesitzer eines Dorfes einem andern Einwohner freiwillig leisten, der ein Haus oder eine Scheune bauen will.» Der Erstgekommene erhält vom Bauherrn eine neue Peitsche. Am Abend setzt sich die gesamte Bauernschaft des Dorfes bei Schinken und Bier zusammen, die vom Bauherrn gespendet werden (HESS, Volksk., S. 40) — s. Stäfouer — cf. Corvée sub 1.
 
Crawl (wie engl.) M.: «Kriechstoßschwimmen» — dazu das intr. V.: kraulen.
 
Kraup M.: «Knirps».
 
Kraupaasch M.: 1) «Knirps»; 2) «unzufriedener Mensch» — s. Krappaasch.
 
kraupeg Adj.: 1) «unansehnlich»; 2) «mürrisch».
 
kraupen (lok. Echt.) refl. V.: «sich zusammenkauern» — sich k. a krëmmen voa Wi (vor Schmerz).
 
Kraupert M.: «armseliger Mensch» — cf. Krappert.
 
Kraupes M.: «kleiner Knabe, der sich böswillig zeigt».
 
Kraupschësser M. s. Kraupaasch.
 
kraus Adj.: in der Ra.: alles k. a kleng schloen (kurz und klein) — substantiv.: a K. a Grimmele schloen (in 1000 Stücke zerschlagen).
 
Krausel (Pl. Krauselen, Dim. Kraiselchen s. d., Pl. Kraiselcher) F.: «natürliche (auch künstliche) Haarlocke» — iron.: wat kaschten d'Krauselen? — ech gi mer (nei) Krausele kafen — dafür auch Kréngel (sub 5), Krong, Krongel (Rosport) s. d.
 
Krausel- -holz N.: «Lockenwickel» — dafür auch Bigoudi (Ton 1) — frz. bigoudi; -kapp M.: 1) «Lockenkopf» — Dim. -käppchen (letzteres oft zärtlich bewundernd) — e léiwe Krauselkäppchen; 2) «Mensch mit lockigem Haar»; -kränkt F.: «Krauselkrankheit» (von Pflanzen); -schéier F.: «Schere zum Kräuseln»; -zaang F. s. Krauselschéier.
 
krauseleg Adj.: «lockig» — krauselegt Hor — übtr.: krauselegt Mouss (Savoyer Kohl) — k. Zalot (feingezahnter Endiviensalat) — gekrauselte Kabes.
 
krauselen trans. V.: «in Locken legen» — deen Hechtche léisst sech d'Hor vum Coiffeur k. — cf. verkrauselt.
 
Kraut (Nösl. Krockt, Pl. Kraider, Dim. Kraitchen s. d.) N.: 1) «Gewächs mit nicht verholzendem Stengel» — a. «zur menschlichen Nahrung und zu Heilzwecken dienend» — dat K. kennen ech nët, sot der Däiwel, du huet en sech an d'Brennessele gesat — 't as kä K. fir e gewuess (er wird sterben) — Zussetz.: Zoppekraut s. d.; b. «oberirdischer, nicht zur Nahrung dienender Pflanzenteil» (z. B. bei Kartoffeln, Rüben, Möhren) — d'Grompere schloen zevill an d'K. — dafür auch: Geläf, Stréi s. d.; c. übertr.: «schlechter Tabak» — s. sub Kraitchen; 2) «Unkraut» — wou K. as, wuessen och schéi Saachen (wo Unkraut vorkommt, wachsen auch die nutzbringenden Pflanzen gut) — d'K. frësst hinnen de Gaart (überwuchert ihren Garten) — Ra. K. a Läd wuessen ongesinn; 3) a. «Obstmus» — z. B. Quetschekraut s. d.; b. «durch Kochen eingedickter Fruchtsaft» — z. B. Birekraut s. d. sub 2; 4) Kurzform für «Sauerkraut». [Bd. 2, S. 456]
 
Kraut- -dag M.: «Mariae Himmelfahrtstag» — dafür auch: Krautwëschdag, Léiffrakrautdag, Léiffrawëschdag s. d. — an diesem Tag (15. August) findet vor dem Hochamt in der Kirche die Kräuterweihe (cf. Krautwëschdag) statt, der sich mancherorts eine Prozession anschließt. In Deutschland erscheinen Weiheformeln bereits im 10. Jh., während der Brauch in Frankreich u. Italien nicht bekannt zu sein scheint. In Belgien wird er im Limburgischen erwähnt. Nach A. FRANZ wurde der Himmelfahrstag Mariae dazu auserwählt, weil im August, wenn die Ernte eingebracht wird, die Kräuter in Garten, Wald und Feld zur Reife gelangen und weil Maria selbst von der Kirche als 'flos campi' und als 'lilium convallium' gepriesen wird. (Die kirchlichen Benediktionen des Mittelalters I S. 397 ff); -faass N: «Faß zum Einmachen von Sauerkraut» (früher in üppigen Bauernhäusern aus Stein und eingebaut); -gaart M.: 1) «Gemüsegarten»; 2) «Garten, wo viel Unkraut wächst»; -hex F.: «Frau, die andern im Krauden überlegen ist» — 't kann än nët mat hir kraude goen, 't kënnt än hir nët no, si iwerdubbert än (man kann nicht mit ihr konkurrieren, sie übervorteilt einen); -kessel M.: «Kupferkessel zum Kochen von Quetschekraut» (s. d.); -maart M.: früher «Krautmarkt» in Luxbg.-Stadt, heute in die Krautmarktstraße einbezogen; -sak s. Kraudsak; -stack, -stän, -stéisser, -(s)ticker M.: «eiserner oder kupferner Mörser zum Stampfen von Pflanzen» (z. B. für Aufschläge) — heute veraltet, früher häufig in Apotheken — an der Apdikt stoungen fréier d'Krautstéisser wéi Zaldoten an enger Rei; -stéck N.: «Feldstück, wo viel Unkraut wächst»; -wéngert M.: «Weinberg, in dem das Unkraut schwer zu vertilgen ist»;

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut