LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Krauselkapp bis krazeg (Bd. 2, Sp. 455b bis 457b)
 
-kapp M.: 1) «Lockenkopf» — Dim. -käppchen (letzteres oft zärtlich bewundernd) — e léiwe Krauselkäppchen; 2) «Mensch mit lockigem Haar»; -kränkt F.: «Krauselkrankheit» (von Pflanzen); -schéier F.: «Schere zum Kräuseln»; -zaang F. s. Krauselschéier.
 
krauseleg Adj.: «lockig» — krauselegt Hor — übtr.: krauselegt Mouss (Savoyer Kohl) — k. Zalot (feingezahnter Endiviensalat) — gekrauselte Kabes.
 
krauselen trans. V.: «in Locken legen» — deen Hechtche léisst sech d'Hor vum Coiffeur k. — cf. verkrauselt.
 
Kraut (Nösl. Krockt, Pl. Kraider, Dim. Kraitchen s. d.) N.: 1) «Gewächs mit nicht verholzendem Stengel» — a. «zur menschlichen Nahrung und zu Heilzwecken dienend» — dat K. kennen ech nët, sot der Däiwel, du huet en sech an d'Brennessele gesat — 't as kä K. fir e gewuess (er wird sterben) — Zussetz.: Zoppekraut s. d.; b. «oberirdischer, nicht zur Nahrung dienender Pflanzenteil» (z. B. bei Kartoffeln, Rüben, Möhren) — d'Grompere schloen zevill an d'K. — dafür auch: Geläf, Stréi s. d.; c. übertr.: «schlechter Tabak» — s. sub Kraitchen; 2) «Unkraut» — wou K. as, wuessen och schéi Saachen (wo Unkraut vorkommt, wachsen auch die nutzbringenden Pflanzen gut) — d'K. frësst hinnen de Gaart (überwuchert ihren Garten) — Ra. K. a Läd wuessen ongesinn; 3) a. «Obstmus» — z. B. Quetschekraut s. d.; b. «durch Kochen eingedickter Fruchtsaft» — z. B. Birekraut s. d. sub 2; 4) Kurzform für «Sauerkraut». [Bd. 2, S. 456]
 
Kraut- -dag M.: «Mariae Himmelfahrtstag» — dafür auch: Krautwëschdag, Léiffrakrautdag, Léiffrawëschdag s. d. — an diesem Tag (15. August) findet vor dem Hochamt in der Kirche die Kräuterweihe (cf. Krautwëschdag) statt, der sich mancherorts eine Prozession anschließt. In Deutschland erscheinen Weiheformeln bereits im 10. Jh., während der Brauch in Frankreich u. Italien nicht bekannt zu sein scheint. In Belgien wird er im Limburgischen erwähnt. Nach A. FRANZ wurde der Himmelfahrstag Mariae dazu auserwählt, weil im August, wenn die Ernte eingebracht wird, die Kräuter in Garten, Wald und Feld zur Reife gelangen und weil Maria selbst von der Kirche als 'flos campi' und als 'lilium convallium' gepriesen wird. (Die kirchlichen Benediktionen des Mittelalters I S. 397 ff); -faass N: «Faß zum Einmachen von Sauerkraut» (früher in üppigen Bauernhäusern aus Stein und eingebaut); -gaart M.: 1) «Gemüsegarten»; 2) «Garten, wo viel Unkraut wächst»; -hex F.: «Frau, die andern im Krauden überlegen ist» — 't kann än nët mat hir kraude goen, 't kënnt än hir nët no, si iwerdubbert än (man kann nicht mit ihr konkurrieren, sie übervorteilt einen); -kessel M.: «Kupferkessel zum Kochen von Quetschekraut» (s. d.); -maart M.: früher «Krautmarkt» in Luxbg.-Stadt, heute in die Krautmarktstraße einbezogen; -sak s. Kraudsak; -stack, -stän, -stéisser, -(s)ticker M.: «eiserner oder kupferner Mörser zum Stampfen von Pflanzen» (z. B. für Aufschläge) — heute veraltet, früher häufig in Apotheken — an der Apdikt stoungen fréier d'Krautstéisser wéi Zaldoten an enger Rei; -stéck N.: «Feldstück, wo viel Unkraut wächst»; -wéngert M.: «Weinberg, in dem das Unkraut schwer zu vertilgen ist»; -wësch M.: «Krautwisch» (Kräuterbündel) — auf dem Lande wird am Krautdag (s. d.) von jeder Familie ein K. in die Kirche gebracht, wo er geweiht wird. Die Zusammensetzung des K. und die Anzahl der dazu verwendeten Bestandteile, die nach dem Gesichtspunkt ihres Nährwertes, der ihr zugeschriebenen Heilkraft oder ihrer Verbindung durch Legende oder Namen mit der Mutter Gottes ausgewählt werden, sind nicht einheitlich und manchmal von Ort zu Ort verschieden, wenn auch bestimmte Bestandteile immer wiederkehren. Im Nordösling (Gemeinde Weiswampach) beschränkt die Zusammensetzung sich in Holler auf die drei Getreidearten (Korn, Hafer, Weizen) und auf Batteralzem (s. d) und Päifels (s. Bäibës), wozu in Breidfeld Ënn (s. d) und Muurt (s. d.) hinzukommen. In Wiltz wird u. a. das früher auf Strohdächern wachsende, heute seltene Donnerkraut (s. d.) genannt. Anderwärts, vorzüglich im Gutland, können auf Grund mehrerer Listen als feste Bestandteile gelten: Batteralzem, Bäibës (s. d. — auch Wäiwësch genannt), Dëll (s. d.), Haartnol (s. d.), Léiffrabettstréi (s. d.), Léifstack (s. d.) von Gemüsearten: Ënn, Muurt und die drei Getreidearten. Als Nebenbestandteile werden genannt: Baltes (s. d.), Bounestréi (s. d.), Dausendgëllekraut (s. d.), Dausendschéierchen (s. d.), Dausendwuurzel (s. d.), Dueder (= Duederblumm (s. d.), Éierepräis (s. d. sub 2), Eisebaart (s. d. sub 1), Estragon (s. d.), sub 1), spatze Feil (spitzblättrige Gartenpflanze), Guimauve (s. d. sub 1), Kaméilen (s. Kaméileblumm sub 1), Kazeschwanz (s. d. sub 2), Kimmel (s. d. sub 3), Kliet (s. d. sub 1), Knuewelek (s. d.), wëll Mënz (s. sub Mënz), Muttergotteshoer (s. d.), Ouschterluzei (s. d.), Peffermënz (s. d.), Raut (s. d.), Salfei (s. d.), Schalott (s. d.), Siwebam (s. d.), Wuremkraut (s. d.) — die Küchengewächse aus dem K. kommen am Festtag selbst in die Speisen, die Körner der Getreidearten teils in das Saatgut, teils in das Viehfutter; die Arzneikräuter werden unter die Dachbalken gelegt, manchmal auch in die Kornkammer, um alles Gewürm fernzuhalten. Einige Zweige werden hinter das Kruzifix in der Stube gesteckt, bei einem Gewitter werden mehrere Halme und Stengel auf dem Herdfeuer verbrannt. Die neue Kuh erhält, wenn sie zum ersten Mal zur Weide getrieben wird, etwas von dem K. in ihr Futter. Am Johannisabend wird gesegneter Dëll in die Stalltür gesteckt, um das Verhexen des Viehs zu verhindern. Bei einem Sterbefall legt man bei armen Leuten den K. als Kissen unter den Kopf des eingesargten Toten, und nach dem Begräbnis wird die Leichenstube mit geweihten Kräutern ausgeräuchert. Bei Zahnweh, Geschwulsten, gichtartigen und rheumatischen Leiden werden geweihte Kräuter auf glühende Kohlen gestreut [Bd. 2, S. 457] und das erkrankte Glied darüber gehalten. (DE LA FONTAINE, Luxemburger Sitten und Bräuche, 1883, S. 63 f., HESS, Luxbg. Volkskunde, 1929, S. 269. REISER, Luxemburger Familienfreund, Sonntagsbeilage Nr. 32 zum Luxemburger Wort 1913); -zopp F.: «Kräutersuppe».
 
Krautem ON.: «Crauthem» — Gem. Röser, Kant. Esch — 497.
 
krauzeg Adj. s. kraudeg sub 2.
 
Krawaatsch F. s. Karbaatsch — dafür auch Karwaatsch, Karwutsch, Karwutzel, Karwitzel, Krawitschel — auch spaßh. für Cravate s. d.
 
krawaatschen s. karba(a)tschen.
 
Cravate (wie frz., selten Ton 1) F.: «Schlips, Kravatte» — dafür auch Schlapp — ä mat der C. huelen (Ringsport — auch übertr.: sich ihn vornehmen).
 
Krawall M.: 1) «Krawall»; 2) «Streit, Zerwürfnis» — si hu K. matenän.
 
Krawëtsch F.: «Festhalter, Zapfenhalter» — s. Kratt.
 
Krawitschel s. Krawaatsch.
 
Krayong, Kraijong, Crayon (wie frz., doch Ton 1) M.: «Bleistift» — faarweg Kraijongen (Farbstifte) — d'Kanner schreiwe mam Griffel, mam K., mat der Fieder — dafür, bes. Nösl. auch Bläistëft s. d.
 
Krayonsholz N.: «rote Zeder» (Juniperus virginiana).
 
Krayongsspëtz(t) F.: 1) «Bleistiftspitze»; 2) «Bleistiftschoner»; 3) «Instrument zum Spitzen» — auch -spëtzert.
 
kraxelen intr. V.: «kraxeln» — se sin de Bierg erop gekraxelt.
 
Kraz F.: 1) «Kaminfegerscharre»; 2) «Gerät zum Entfernen der Kohlenglut aus dem Backofen, der Asche aus dem (Heizungs)ofen»; 3) «Gerät zum Entfernen des Teiges aus der Mulde»; 4) «Nachharke» (Gartengerät) — für letzteres auch Krazhäl (s. d.), Krazert 5) «bissiges Frauenzimmer».
 
Kraz- -biischt F.: «Kratzbürste»; -eisen N.: «Schuhreiniger an der Haustür» — im bes. a. «Eisen, in der Mauer neben der Haustür angebracht»; b. «Eisengitter vor der Haustür»; -fouss M.: 1) «Kratzfuß, Verbeugung» — wat huet dee Krazféiss gemaacht fir déi Plaz ze kréien; 2) Name des Huhns bei Rodange, Rénert; -häl (Dim. -häälchen) M.: «Gartenharke» — cf. Kraz sub 4; -kaul F.: «Nacken» — s. Akaul.
 
krazeg Adj.: 1) «kratzig, rauh» — eng k. Stëmm — eng k. Biischt (eine harte Bürste) — e krazege Baart; 2) «widerborstig, schlecht gelaunt, bissig».

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut