LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Lämecht bis Lärem (Bd. 3, Sp. 29a bis 31a)
 
Lämecht F.: «lehmig verschmiertes Stück Land».
 
lämeg Adj.: «lehmig» — e lämegt Stéck — lämege, lämeche (Echt. lämngstige) Buedem — s. Lämbuedem.
 
lämen I trans. Verb.: «leugnen» — hie kann dat nët l. — wa mer driwwer gefrot gin, fir d'éischt alles geläämmt! — s. of-, verl. sub 2), läächenen.
 
lämen II trans. Verb.: «lähmen» — dafür auch: lamen, limmen (s. d.) — en huet déi lénks Säit (ganz) geläämt— cf. Läämt.
 
Lämmchen (Pl. Lämmer(s)cher) N.: 1) «Lämmchen»; 2) (Pl.) «Lämmerwolke» (Zirrokumulus) — s. Scheefchen; 3) «Blüte der Hasel, Weide, Birke»; 4) «Tannenzapfen» — s. Dillendapp sub 3), Wäiraach; 5) (verächtl.) «naiver Mensch, der sich nicht zu wehren weiß».
 
Lämmel, Lämmecht F.: 1) «Messerklinge»; 2) «Rasierklinge» — s. Lame, Limecht.
 
Lämm(e)libä M.: 1) «Rufname des Lammes»; 2) «Lamm» (Ammenspr.)
 
Lämmercheshouscht M.: «Husten bei Kindern, der nicht ernst zu nehmen ist».
 
Lämmergeier M.: (spaßh.) «habgieriger Mensch».
 
Lämmes M.: 1) a. «Schaflamm»; b. «kleines Schaf» — dazu das Dim. Lämmes-chen; 2) in der Ra.: mengs de, ech wär vum L. gebass? (hälst du mich für so dumm?) — du bas wuel vum L. gebass (dein Verhalten ist unsinnig, unerklärlich).
 
Lämpchen (Pl. Lämpercher — Dim. zu Lamp (s. d.)) F.: «kleine Lampe» — im bes. a. «Nachtlämpchen» (deren Wachsdocht in einem Wasserglas auf einer Ölschicht senkrecht schwimmt); b. «kleines, farbiges Wachslicht» (früher bei öffentlichen Illuminationen reihenweise auf die äußeren Fensterbänke gestellt) — e gät aus wéi eng L. (er stirbt langsam eines schmerzlosen Todes); c. «ewiges Licht in der Kirche» — d'éiweg L. (s. éiweg und Lamp).
 
Lämpes M.: 1) «Rauchfaß» (meist iron. Nösl.) — de L. schwenken (das Rauchfaß schwingen, auch (obsc.) coire); 2) «Lümmel».
 
lämpësseg Adj.: 1) «groß u. faul»; 2) «lümmelhaft».
 
ländlech Adj.: «ländlich» — 't as esou l. sittlech hei — (iron.: genau wie auf dem Lande).
 
längelaang, léngelaang Adj./Adv.: «besonders lang» (zeitlich und räumlich) — eng l. Nuecht — en as l. (de laange Wee) duergeschloën (ist der Länge nach hingefallen).
 
längelzeg Adj.: «länglich» — cf. laangelech sub laang.
 
längen trans. Verb.: 1) «ein Stück in der Länge ansetzen» — mer mussen de Rack l. — meist dafür erlängen (s. d.); 2) «mit Flüssigkeit verdünnen» — eng Zooss gët mat Britt gelängt — dräimol gelängte Bouneschlupp; 3) «länger werden» — d'Deeg länge schon; 4) «reichen, genügen» — dat Gar längt nët — elo längt et iewer vëllechen (das genügt!) — s. laangen sub 3) — cf. erlängen. [Bd. 3, S. 30]
 
längeren (Bous, selten) intr. Verb.: «ein langes Krankenlager haben».
 
Längeverband M.: «Schiftung in gerader Linie» (einen Schaft in gerader Linie an einen andern setzen — Zimmerei — Ga).
 
länglech Adj. s. längelzeg.
 
längst Steigerung zu laang (s. d.) — wien der längst lieft, kritt de Bambësch (s. d.) — engem alles op d'l. Liewe (s. d. sub 1) verschreiwen.
 
Längt F.: 1) a. räumlich: «Länge» (Ggs. zu Breite) — dat Stéck huet fofzeg Meter (an der) L. (das Stück Feld hat fünfzig Meter [in der] Länge) — en as der L. no dohinner geschloën (der Länge nach) — e gät an d'L. (er wächst) — du muss de Stoff der L. no schneiden — eng Brät gät duer fir d'L. (die Stoffbreite genügt für die Länge des Rockes) — dat gët der keng zwou (dräi) Längten (eigtl. liefert dir keine zwei Längen, beim Zuschneiden — übtr.: du hast damit keinen Erfolg, auch: du wirst es bereuen) — dazu der FN. an de kromme Längten (Land mit gebogener Längsrichtung); b. zeitlich: «lange Dauer» — 't as der eng L. zougaange, bis e mat der Mënz erausgeréckt koum — op d'L. (auf die Dauer) — se hun d'Saach an d'L. gezunn (haben sie verschleppt) — dat kann sech nach al an d'L. zéie, bis mer Bescheed kréien — séng Krankhät zitt sech an d'L.; 2) «Länge-Wachstum eines Baumes» — 't si schéi Längten an deem Bësch (dieser Wald hat viele schön- und hochgewachsene Bäume) — dëse Bam huet eng schéi L. — wat huet dee Kärel eng L. (eine Größe).
 
lännen, lannen (Mosel lanen) a. intr. Verb.: «landen» (Schiff); b. trans.: «an Land bringen, ziehen» — e Fësch, eng Läich, e Bam lännen — fir d'éischt krute mer eng Zopp, du hun ech emol e puer Mécken draus gelänt — übtr. ech mengen, déi do länds de schwéierlech (das ist eine Unwahrheit, eine Aufschneiderei, die dir niemand glauben wird) — Folkl.: der Sage nach geschah es, daß man einst den hl. Matteis (s. d.) in Kolosleiken (Saar) in eine Bütte setzte und ihn die Saar hinunter treiben ließ. Dabei rief er beständig: «Laant mech!». Aber überall riefen ihm die Schutzheiligen der einzelnen Dörfer zu: «Lane mer dech, da bas d'iwwer is!» Schließlich wurde er bei Trier von einigen Waschfrauen aus der Mosel an Land gezogen. Das war die Veranlassung zur Gründung der Abtei St. Matthias in Trier. Seither hat sich die Ra. «lane mer dech, da bas d'iwwer is» an der Mosel erhalten .— s. Gredt, Sagenschatz II. Aufl. Nr. 997.
 
Lännereien Plur. tant.: «Grundbesitz, Komplex von Ackerland» — d'L. si scho verkaaft.
 
Läpp I (Pl. Läppen, Läpper) M.: 1) «Zipfel des Hemdes» — den hënneschte, de viischte L. — ech hu missen en neie L. un d'Hiem setzen — d'Box erof, de L. erop (sagt der Vater zu dem Sohne, wenn es Hiebe gibt) — en huet de L. eraushänken (s. dazu zapen) — beim Umzug der hl. Dreikönige heißt es spöttisch im Reim: den hënneschten huet de L. verbrannt — Kinderreim: de L. an d'Hand, op d'Mëscht gerannt — wann ech opstinn, da schäissen ärer zwielef an d'Läpper (sagte ein Raufbold bei einem ausbrechenden Wirtshausstreit) — übtr. se sin um hënneschte L. (am Ende) — en hoat kä ganze L. méi (Echt. er ist sehr arm) — cf. sub ënnen; 2) «Hemd» — e koum do am neie L. — Anekdote von zwei Bettelleuten: lee dech era wéi s de bas, mäi L. as och zrass; 3) «Rockschoß» — en hänkt sénger Mamm ëmmer um L. (un de Läppen) — mer hun deen do bestänneg um L. (er ist, wird nicht selbständig) — en huet de L. an d'Hand geholl (er ist schnell weggelaufen) — Kinderreim: Jhang, huel de L. an d'Hand a sprang! — e léisst d'Läppen al hänken (ist sehr niedergeschlagen) — se hun der laanscht d'Läpper kritt (sie sind verhauen worden, auch: haben einen Verlust erlitten) — en huet em d'Läppen an d'Luucht gehuewen (hat ihm die Leviten gelesen) — Scherzrätsel: wouhi kéiert sech de Koschter, wann en d'Klack(e) laut? — Antwort: zum L.; 4) «Lappen» — Ra. zwou Mécke mat engem L. schloën.
 
Läpp II (Echt. Leep) M.: «schlammige, zähe Masse» — d'Kar stécht am L. (der Karren steckt im Dreck, ist verfahren) — 't as elauter L. a Bullibräi (Dreck und Schlamm, nach einer Überschwemmung oder nach heftigem Gewitterregen).
 
Läppchen (Dim. zu Lapp) M.: «kleiner Lappen» — Spottreim aus Handwerkerlied auf den unehrlichen Schneider, der beim Zuschneiden ab und zu kleine Tuchstücke für seinen Privatgebrauch unter den Tisch fallen läßt: hei e L., do e L., gët am Enn eng Kannerkäppchen — den deiere L. (dreieckiges Spitzenstück am geräucherten Kinnbacken der Schweine) — Zussetz.: [Bd. 3, S. 31] Ouer,- Piss-, Schmier-, Wäschläppchen (s. d.).
 
läppeg Adj.: «schlammig - zäh».
 
Läppentäsch F.: «Hintertasche im Männerrock».
 
Läppentinnes (lok. Wasserbillig) M.: «kleiner Kerl, dessen Läpp zu lang ist und herauslugt».
 
läpperen, läbberen refl. Verb.: «allmählich zustande kommen» — déi Saach läppert sech — dat läppert sech zesummen (wird dank kleiner Gewinne zu einer ansehnlichen Summe).
 
läppesch Adj.: «läppisch».
 
Läppschass, Läppschësser M.: 1) «Bettscheißergesicht (Ga), Feigling»; 2) «unreifer Mensch»; 3) «eingebildeter, empfindsamer Mensch» — eng Joffer Läppschass.
 
Läppschister (lok. Leckschister) M.: «Melasse» — s. Mëlass.
 
läpseg Adj.: 1) «nach Hefe schmeckend» (vom Wein — Tockert); 2) «einen Erdgeschmack habend» (vom Viez und Wein — C); 3) «schal, abgestanden».
 
läpsen I intr. Verb.: 1) «nach Hefe schmecken»; 2) «nach Erde schmecken» — de Viz läpst (wenn die Birnen längere Zeit auf der Erde lagerten) — de Wäi läpst (Ehnen: läppscht — der Wein hat einen Erdgeschmack, besonders aus roter Lehmerde).
 
läpsen II intr. Verb.: «nippen» — en huet nëmme geläpst an näischt giess — dazu die Abl.: Geläps N.: «Leckerei, kleine Häppchen, Brocken» — 't as nëmme Geläps un engem Poulet.
 
Läpsert I M.: «Erdgeschmack» — de Wäin huet e L.
 
Läpsert II M.: «Abstinenzler».
 
Lärem M.: «Lärm» — in der Ra.: blanne L. (Alarm ohne ernste Ursache).

 

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