LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Lëmpchen bis Lënsenzopp (Bd. 3, Sp. 41b bis 43b)
 
Lëmpchen (Dim. zu Lomp s. d.) F.: 1) a. «kleiner Lappen» — ech gin der e mëllen (scil. Kaktus) an enger L. (um ein Kind zu beschwichtigen); b. «Abwischlappen» (für die Schiefertafel); 2) «Stück Verbandzeug» — 't as nët esou uerg, mer maachen eng L. drëm (zu einem Kind, das sich in den Finger geschnitten hat — s. Pëppchen); 3) «Gelegenheitstrinker» — auch «Gewohnheitstrinker» (verniedlicht).
 
leng s. eleng — dazu (Ammenspr.) leng-elenge Bämi (Beeni — allein gehen).
 
léngen (Osten leinen) Adj.: «aus Leinen» — lénge Gar — e léngen Hiem — eng lénge Box — Spw.: wien zou enger lénge Box erschafen as, kënnt ni zou enger wëllener — lénge Geséiss — s. sub Baart(e)l(e)méis.
 
Lénge- / lénge- -riichtaus Adv.: «halbwegs gerade» (wie der Faden im Gewebe); -schaf M.: «Schrank, in dem das Hausleinen aufbewahrt sind»; -wiewer I: M.: «Leinweber» — der Weber spannt die Garnsträhne auf die kleng Kroun (s. d.) und wickelt die kleinen und großen Spulen (Spillercher und Knäfen s. d.) mit Hilfe des Spullrad (s. d.) auf. Die Spillercher finden im Schëffel (s. d.) Verwendung. Dieses wirft der Weber auf dem Wiefstull (s. d.) zwischen den Langsfäden durch und zieht so die Querfäden (Schoss, Aschlag — s. d.) [Bd. 3, S. 42] des Tuches. Im Schëffel befindet sich ein Eisenstäbchen (Séil — s. d.), das zum Befestigen der Spule dient. Die Knäfen kommen in zwei Reihen zu je 10 Stück auf den Stänner (s. d.), neben dem die große Kroun (s. d. sub 6) steht, die an Decke u. Fußboden befestigt ist. Auf sie werden die 20 Spulen gleichzeitig abgewickelt, und zwar spiralförmig von unten nach oben und von oben nach unten. Hat sich die grouss Kroun einmal rundum gedreht, dann bilden die aufgewickelten Fäden die Wandrutt (s. d.) oder Ës. Damit die Fäden der Spulen sich nicht verwickeln, läßt der Weber sie durch das Wierpbriet (s. d.) laufen. Sobald die Knäfen abgelaufen sind, zieht der Weber die fertige Strähne am oberen Ende der Kroun heraus u. wickelt sie kettenförmig zur Ketten (s. d. sub 7) auf. Dann bindet er diese mit dem Liesbändel (s. d.) zu (MÜLLER, Werdegang des Leinens: Luxemburger Lehrerzeitung 32 (1938) 471 f.) — Ra. de L. zitt séng Aarbecht an d'Längt a gët dach fäerdeg; -wiewer II M.: a. «große Weberspinne» (Aranca textoria) — dafür auch Karech(t)er (s. d.), Héibän, (Echt. Hibeen — s. d. sub 1), Scharéngchen (s. d.) und Schneider (s. d.) — der L. lieferte früher den Kindern einen grausamen Spaß. Sie rissen dem Tier die Beine vom Leib, und die abgetrennten Glieder zuckten eine Zeitlang in der flachen Hand, wobei dann im Chor gesungen wurde: L., L., Duch, Duch, Duch (in der Tonlage: sol, fa, mi, fa/ sol, fa, mi, fa/ sol, sol, sol (wiederholt), worauf dann höher repetiert wurde, bis die Zuckungen aufhörten. Anderwärts sang man: L., L., Duch, Duch, Duch, mir eng Ielen, dir eng Ielen / Duch, Duch, Duch (nach dem bekannten Spottlied auf die Weberzunft)); b. «dicke Heuschrecke» — cf. Hubbelgääss; -wiewesch F.: «Leineweberin» — auch verbreiteter Hausname; -wieweschknuet M.: «Weberknoten»; -wieweschstofft M.: «leinwandartig gewebtes Baumwollzeug» (Kattun).
 
Léngent (Osten Leinen) N.: «Linnen, Leinen» — 't as dees beschte L. — d'Meedchen huet säi L. (seine Linnenausstattung zur Heirat) — mir hun e Schaf voll (de Schaf voller) L. (als Zeichen der Wohlhabenheit) — Ra. dat hält sech beim L. aus (das ist selbstverständlich) — Folkl.: (Nösl.) früher erhielt das Gesinde neben dem Lohn in Geld noch d'Léngent oder duabbelt Léngent.
 
Lénger ON.: «Linger» — Dorf der Gemeinde Niederkerschen — Kant. Kapellen — 466.
 
Léngert s. Léinert.
 
Léngheet (Nösl.) N.: s. Hät sub 3).
 
Lénghock M.: «Dachbalken» (Wb. 06).
 
Léngt (Osten Lein, Ösl. Léng) F.: 1) «Leine», im besonderen a. «Wäscheleine» — schlo d'L. op (bringe die Wäscheleine an — auf dem Lande wird sie häufig an Bäumen des Bongert (s. d.) angebracht) — d'Wäsch hänkt op der L. ze dréchenen; b. «Leitseil» (Pl. Léngen, Léngten, Lénkten) (für Tiere und Kinder) — huel den Hond un d'L. — d'L. vum Päerd — eng duebel L. (Doppelzügel — dafür auch Gidd s. d.) — übtr. mer mussen hien an d'L. huelen (müssen strenger mit ihm umgehen); c. «Angelschnur» en huet e Fësch un der L.; d. «Schwimmleine» — en as nach un der L. (hat sich noch nicht freigeschwommen); e. «Treppenseil» (an dem man sich beim Auf- und Abstieg in Wendeltreppen festhält); 2) «Schneise»; 3) «Scheidewand im Stall, die nicht bis zur Decke reicht, manchmal nur Holzbalken» — dafür auch Bangkar; 4) «Brüche» (geknickte oder abgebrochene Zweige im Wald zur Kennzeichnung der Wildbahn oder des Holzschlags) — eng L. briechen.
 
Léng(s)wëller ON.: «Longweiler» — belgische Provinz Luxemburg — frz. Longvilly.
 
Lenjhouer (lok.) F.: «dicke Zwetschge».
 
Lénk(s) F.: «Piquedame» (beim Couleur oder Mënschspill s. d.) — dafür auch d'Schwaarzt, d'Wäisst, d'Mitt, d'Wichs, d'Meedchen und Schëppendamm (s. d.).
 
lénk, lénks Adj./Adv.: «link(s)» — de lénk(s)e Bauer (beim Kegelspiel) — dat Haus läit lénker Hand (auf der linken Straßenseite) — déi lénk(s) Hand (Schëller, Säit) — de lénk(s)en Daum — en as lénks (ist Linkshänder — s. auch Lénkshänner) — en as e Lénk(s)en (ist Linkshänder) — et as kä Lénksen (ist rücksichtslos, auf seinen Vorteil bedacht) — mer waarde mat der lénker Hand (zu jem., der zu spät zum Essen kommt) — en as mat der lénker Hand bestuet (hat unebenbürtig geheiratet, auch: lebt in wilder Ehe) — en huet zwou lénks (lénker) Hänn (er taugt zu nichts) — die linke Hand heißt auch: déi béis Hand (Hänni in der Ammenspr.), eine alte [Bd. 3, S. 43] Bäuerin erklärte dies folgendermaßen: Eva habe im Paradies die verbotene Frucht mit der linken Hand abgebrochen, und der Henker, der Christus ans Kreuz annagelte, sei Linkshänder (s. Lénkshänner) gewesen — ech gin der alt déi lénks Hand (entschuldigend, etwa weil man die rechte Hand nicht frei hat), déi kënnt vum Häerz — lénks fueren op der Strooss (die linke Straßenseite befahren, statt der vorschriftsmäßigen rechten Straßenseite) — d'Foussgänger musse lénks goën (die linke Straßenseite vorschriftsmäßig benutzen) — e lénks gesteierte Won (Auto mit linksseitiger Steuerung) — en as mam lénke Fouss fir d'éischt opgestan (ist schlecht gelaunt) — iwwer déi lénks Schëller kafen (stehlen, auch mit «Geste», Gebärde der Hand angedeutet) — kuck mer iwwer déi lénk(s) Schëller (sagt der begleitende Geistliche, der den Spukgeist fortschafft, zu einem Fuhrmann, dessen Pferde die Last kaum mehr bewältigen. Als dieser der Aufforderung nachkommt, sieht er etwas derartig «Schreckliches» [nach andern Varianten: den Geist des Toten], daß er auf der Stelle ergraut: GREDT, Sagenschatz II. Auflage Nr. 822) — ech hun em eng (der) lénks a riets op de Bak gin (links und rechts), datt en nët méi wousst, wou lénks a (wou) riets wir — en huet e vu lénks a rechts bekuckt (von allen Seiten) — mer loossen e lénks leien (beachten ihn nicht) — e steet ganz lénks (in der Politik) — dazu: 't as e Lénksen (Anhänger der Linkspolitik) — cf. schlanks, A.
 
lénkerhand Adv.: «links».
 
lénkserëm Adv.: «linksum».
 
Lénkshänner, Lénksen, Lénkzert M.: «Linkshänder» — übtr. hien as där L. kän (ist nicht dumm).
 
Lénksen M.: 1) «Linkshänder»; 2) «Linkspolitiker»; 3) (euphem.) «Homosexueller» — cf. sub lénk(s).
 
lenkelen trans./intr. Verb.: 1) «eine Leiter auf den Holmen vorwärts bewegen»; 2) «von einer Arbeit gesagt, bei der immer frisch angesetzt wird» — dat do lenkelt sech nët méi sou liicht — wéi en aus gelenkelt hat, kruch en d'Saach endlech an d'Rei — cf. gängelen, lenken, renken.
 
lenken (selten), lenksen (lok. Redingen) trans. Verb.: «lenken» — dafür meist renken (s. d.).
 
Lenknol M. — s. Lätnol.
 
Lenn (meist Pl. Lennen, Echt. Len) F.: «Lende, Nierengegend» — ech hun et an de Lennen (hun d'Lenne wéi zerschlon) vum ville Schaffen (z. B. von der Handmahd) — woufir soll ech mer fir déi aner d'Lenne schënnen? (mich für andere abrackern) — si hun e missen an d'Lenne stousse, fir datt e soll mat der Mënz erausrécken — e krut d'Lenne geschmiert (wurde tüchtig durchgeprügelt) — dafür häufiger Kräiz sub 5), Hëff, Säit (s. d.).
 
Lenne- / lenne- -blutt N.: 1) «Fettschmelzen»; 2) «Viehkrankheit» (Pferde und Kühe, Schleimruhr — Wb. 06); 3) «roter Hartriegel» (Cornus sanguinea); -bredercher (Plur. tant).: «Nieren»; -brot M.: «Lendenbraten»; -lam Adj.: «überarbeitet, ermattet» (von Mensch und Tier); -läämt F.: «Schlaffheit»; -spëtzen (Plur. tant.) «die Spitzen des Schweinefilets».
 
Lennéng(en) ON.: «Lenningen» — Gemeinde Lenningen — Kanton Remich — déi Lennénger Beschësser (MERSCH, Kinderreime Nr. 578) — déi Lennénger Dawer (Schléifer, Zeien — weil die Einwohner von Lenningen bei Gericht von einer bestimmten Predigt nichts wissen wollten).
 
Lëns I (Echt. Läns, Ehnen Lees) F.: 1) «Linse» (Pflanze) — 't as nët emol sou déck wéi eng L. — zwou Lënsen op e Briet geneelt (spaßh. für allzu mageres Frauenzimmer) — s. auch Andilgen; 2) «Schönheitsmal» (C).
 
Lënsefrësser Plur. tant. «Spottname für die Einwohner von Lellig» — déi Lelleger L.
 
Lënsenzopp F.: «Linsensuppe».

 

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