LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Mäs, Mees bis Meck (Bd. 3, Sp. 120b bis 122b)
 
Mäs, Mees (Pl. Mäsercher, Mesercher, Dim. Määs-chen, Mees-chen) F.: 1) «Meise» (Parus) — Arten: Blomäs (Blaumeise), dafür auch: Himmelmäs, kleng Schielmäs; Gromäs (Sumpfmeise, auch für: Weidenmeise); kleng Schielmäs, Dännemäs (Tannenmeise); Schielmäs (Kohlmeise), dafür auch: gemeng M., Beiemäs, grouss M., Kuelmäs (Kohlmeise); kaupeg M., Hauwemäs (Haubenmeise); Schwanzmäs (Schwanzmeise), dafür auch: Laangschwänzchen, Kréichen, Strëtz; 2) übtr.: «Bezeichnung für eine heute nicht mehr bekannte Münze» — in der Ra.: (beim Kartenspiel): gëf op, Kéi, Päerd a blo Mäsen (C) — s. opgin sub 5).
 
Mäsebuerg, Mäsebureg, Meesburg, Mäsebréch ON.: «Meysemburg» — [Bd. 3, S. 121] Dorf der Gemeinde Fels, Kanton Mersch — 266.
 
Mäsendrot M.: «Drahtart».
 
Mäscht F.: «Mast» — an der M. leien — s. Ma(a)scht I.
 
mäschten trans./refl. Verb.: «mästen» — mir sin am Gaang e puer Schwäin ze mäschten — de Bauer huet äis e Schwäi mat gemäscht — en as esou fett ewéi e gemäscht(ent) Schwäin — dee gesäit aus wéi wann e gemäscht géif — wat hues du dech gemäscht! — Ra.: gudde Kascht a kuurze Weedgank, dat mäscht.
 
Mätt, Mätt(é)i, Mättes(chen), Mättchen, Mätti(s), Mätz männlicher Vorname: «Mathias» und «Matthäus» — s. Mates — du domme Mätti (Dummkopf) — Ra. (lok.: Echt.): ich säi Mättéi (ich bin verloren — s. Matteisdag) — schiele Mättéi (Ton: 1 — die Sonne, die nur schwach durch Nebeldunst scheint).
 
Mätti M.: 1) a. «Quark» (aus Milch, lok. aus Buttermilch hergestellt) — cf. Futtchen; b. «zähes Fleisch, zäher Bissen» — dat as en zéie M., doudsécher vun enger aler Kou; 2) «Bauch, Magen» — en huet sech de M. gelueden (viel gegessen) — en huet de M. voll (er ist betrunken); 3) «unförmiger Gegenstand» — wat as dat e M., wéi solle mer dee viru kréien! — für 2 und 3 auch: Batti, Mäicher sub 4).
 
Mättien Pl.: «Art Frühkartoffeln mit blauer Schale».
 
Mättigogo (Pl. Mättigogoen — lok.: lothringische Grenze) M.: «Schnecke».
 
Mätti-schlupp-aus M.: «gieriger Trinker».
 
Maîtresse (wie frz., Ton: 1 oder 2) F.: «Mätresse».
 
Mätsch I M. — s. Matsch.
 
Mätsch II (englisch: match — Neol.) M.: 1) «Wettkampf» (Sport und Spiel) — mir hun nëmmen ee M. am ganze Chapionnat verluer — mir hun nach dräi Mätscher ze spillen; 2) übtr.: «Lebenskampf» — 't muss een alt säi M. maachen (man muß sich durchschlagen).
 
mätschegs. matscheg.
 
Mätzchen F.: 1) «Mätzchen» — du wëlls mer dach keng Mätzercher verzielen — maach keng Mätzercher (zier dich nicht — C); 2) «rundes Backwerk» (kleiner als Semmel — Ga).
 
Mea culpa M.: «meine Schuld» — in (spaßh.) Raa.: so däi M. (gib deine Schuld zu) — en huet säi M. gemaacht (seine Schuld eingestanden).
 
mech (s. LSA Karte Nr. 49) Pers. Pron. 1. Sg. Akk.: «mich» — cf. ech, dech.
 
Mechanik (Ton: 2) F. — wie hd. — cf. Mekanik.
 
mechanesch, mekanesch (Ton: 2) Adv.: «mechanisch, gedankenlos» — sou Saache mécht ee m.
 
Méchel männlicher Vorname: 1) «Michel» — erscheint als: Méchelchen, Mécheli, Mechel (mεçəl), Mauch, Mich, Misch, Mischi, Mischéi, Michel (wie frz., Ton: 1), Mischel, Mitsch, Much(el), Muschel, Mesch, Mochel, Micki, Meik, Meikel — Kinderreime: M./kromm Séchel / schiel Määs-chen / (schiele) Guckuck — M. / kromm Séchel / huel d'Lanter / 't gët Wanter / huel den Hummer / 't gët Summer — Varianten: . . . schiele Mättéi; — . . . schlo nëmmen drop, schlo alles kabott; — . . . Sauerampel, Schlabampel, Guckuck — s. MKr. Nr. 190; 2) M.: «Festtag des hl. Michael» (Termintag, 29. September — cf. Méchelsdag) — Bauernregel: De Méchel an de Mäerten (s. d.) din d'Bauere fäerten (Termintage) — de Grumm an d'Huewer déi de M. nach um Feld fënt, gesäit de Luks och nach drop zum dacksten (Schlechtwetterperiode um das Fest des hl. Michael, behindert alle Feldarbeiten); 3) «Lümmel» — all déi Méchelen (R V 55) — du domme M.; — Ra. (lok.: Körich, Angelsberg): wou dräi Méchelen op engem Haff sin, do brauch de Bauer keen Hond ze halen (wo viele Männer sind, braucht man keinen Wachhund); 4) «Allerweltskerl» — Reim: M. hei, M. do, M. hanne, M. vir, M. stiech d'Sonn un, M. hänk de Mound aus, M. botz d'Stären a folleg all Hären (C — Stoßseufzer eines viel in Anspruch genommenen Menschen).
 
Méchela, Michela ON.: «Michelau» — Dorf der Gemeinde Bourscheid, Kanton Diekirch — 164 — Ra. beim Kartenspiel: lo gät et op M. (lok. auch: Mecher — jetzt geht es um die Entscheidung — eigentlich: op Mechelen — s. d.) — Spottrede auf die Einwohner von Michelau: di Méchelaër menge, wann de Fuuss d'Hong gefreess hätt, da misst en och Äer leën (so in Lipperscheid gesagt).
 
Méchelbuch ON.: «Michelbuch» — Dorf der Gemeinde Vichten, Kanton Redingen — 230.
 
Mechel(en) ON.: «Mecheln» (Malines, Belgien) — Ra.: et geet op M. (es wird Appell eingelegt; in der Stadt Mecheln tagte im Ancien Régime der [Bd. 3, S. 122] Appellhof — beim Kartenspiel bedeutet dieser Ausdruck, daß bei «unentschieden» alles auf die letzte Partie gesetzt wird, örtlich mit Doppelgewinn, irrigerweise oder spaßh., wird dann Méchela (s. d.) statt Mechelen gesagt).
 
mechelen (zu vorigem) intr. Verb.: «beim Kartenspiel, die drei letzten Partien zur endgültigen Entscheidung spielen» (Wb.06) — (C: wenn die zwei oder drei Spielenden je eine Partie gewonnen haben. so spielt man e Rondel — «O» ist das Merkzeichen für das gewonnene Spiel — der Einsatz ist das gewonnene Spiel, diese Partie zählt beim Gewinn doppelt; man schreibt dafür eine Block — Ø —; zwei Blocken können gegeneinander gesetzt werden) — cf. hänken sub B. — Abl.: Gemechels N. — cf. knéchelen sub 1), fiederméchelen.
 
Mécheler M.: «Mensch, der langsam arbeitet» — cf. Kniw(w)eler, Knécheler, Fiedermécheler.
 
Méchels- -bir F.: 1) «Birnenart»; 2) (lok.: Hüpperdingen) «Frucht des Hagedorns» (Crataegus oxyacantha). -dag M.: «Festtag des hl. Michael» (29. September; Termintag, Erfalltag von Schulden, seltener Gesindewechsel. — Der Michelstag scheidet in der dörflichen Zeitrechnung den Sommer vom Herbst. Mancherlei Ernte- und Saatarbeit richtete sich nach diesem Zeitpunkt. Gelbe Rüben werden wurmstichig, wenn sie über diesen Termin hinaus auf dem Felde bleiben. Die Hausarbeit bei künstlichem Licht durfte wieder aufgenommen werden. Zu dieser Gelegenheit gab wohl der Meister ein kleines Mahl zum besten: Liichtbrot (s. d.) genannt, wobei als Hauptgericht ein Hahn aufgetragen wurde; entsprechend gab es an den andern Hofabenden oder Gutnächten ein Mahl mit Schweinebraten auf Dreikönig, mit Gänsebraten auf St. Martin — HVk. S. 271) — M. gët de Bann fräi, as alles an, gin d'Stécker op (ab M. durfte man das Vieh auf der ganzen Flur ohne Strafe weiden lassen, es war nur dort nicht erlaubt, wo ein Stréipréiter [s. d.] stand) — Ra.: e mécht sech onschëlleg wéi e Bock ëm M. denn M. gin d'Geesse bei de Bock — Ra. zum Termintag: M. buergt (borgt) — als Zeitbestimmung: e kënnt nët rëm bis d'Ouschtren (erëm ëm d'Päischten) odder ëm Zankt M. (im Malbruckslied) — Wetterregel: zéien d'Vigel nët fort vir M., da kënnt vir Krëschtdag kee Wanter — bréngt M. Reen, kann een de Wanter de Pelz uleen; -fouer F.: «Markt am Michaelstag» (lok.: Mondorf); -kiirch F.: «Kirche in Luxemburg-Stadt am Fischmarkt» — dafür auch: Dom(i)nikaner (s. d.); -maart M. — s. -fouer; -niewel M.: «Nebel am Michaelstag» — in der Ra.: de M. buergt — s. sub Méchelsdag; -plaz (lok.: Mersch) F.: «Platz vor dem Méchelstur in Mersch»; -summer M.: «Spätsommer»; -tur M.: «Michaelsturm in Mersch» (Turm der früheren Pfarrkirche, blieb wegen seiner architektonischen Form erhalten). -wäin M. — in der Ra.: M., Härewäin, Galluswäin (16. Okt.), Bauerewäin.
 
méchelzeg Adj.: «ungehobelt, unhöflich, grob» — cf. Méchel sub 3).
 
Mecher ON.: «Mecher» — Dorf der Gemeinde Clerf, Kanton Clerf — 61.
 
Mecher ON. — s. Määcher.
 
Meck (Dim. Meckchen) M. — s. Mack(e)ro sub 2) und 3).

 

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