LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Miséricorde bis mitten (Bd. 3, Sp. 157a bis 158b)
 
Miséricorde (wie frz.) im Ausruf der Sorge: o M! (oh Elend!) — o M. et compagnie (C).
 
Miski M.: «Parfum aus getrockneten und kleingeschnittenen Blumen» — Folkl.: eng Këschtche M. erhielt man, vor etwa fünfzig Jahren noch, als Zugabe bei größeren Einkäufen oder als Neujahrsgeschenk in Apotheken; es waren gewöhnlich getrocknete, kleingeschnittene und in Parfum getränkte Blumen (oder mehrfarbiges, parfümiertes, gröberes Sägemehl) in kleinen, mit verschiedenfarbigem Papier ausgeschlagenen Schachteln. Diese wurden in die Schränke gelegt.
 
Misseg ON.: «Mussy la Ville» — Dorf in der belgischen Provinz Luxemburg.
 
Missel (wie frz., Ton: 1 u. 2) F.: «Missale, Meßbuch».
 
missens. mussen.
 
Missionär M.: «Missionar» (in der Heidenbekehrung tätiger Priester oder Ordensmann) — du schwätz ewéi e M. (du suchst zu überzeugen).
 
Missioun F.: 1) a. «katholische Volksmission» — von drei Tagen Dauer: kleng M. — über längeren Zeitraum, etwa acht oder vierzehn Tage: grouss M. — mir haten elo M. hei an der Par — d'Redemptoriste-Patren hun d'M. gepriedegt; b. nur Pl.: Missioune(n) «Werk der Heidenbekehrung-» — haut as Affer fir d'M. — et gët gesammelt fir d'M. — de Pater as an d'M. gaang (ist zur Heidenbekehrung abgereist) — en as an d'M. geschéckt gin; 2) «Auftrag, Bestimmung, Pflicht» — et as nët méng M. fir der dat ze soen — ech hun dofir keng M. kritt.
 
Missiouns- -affer M.: «Opferspende für das Werk der Heidenbekehrung»; -andacht F.: «religiöse Abendfeier»; -ausstellung F.: «Ausstellung (meist mit Verkauf) von Gegenständen aus den Missionsländern»; -bild N.: «Andachtsbild» (bei einer Volksmission ausgeteilt); -erneierung F.: «Missionserneuerung» (kurze Wiederholung, gewöhnlich drei Tage, ein Jahr nach der Volksmission); -gebiet N.: «Gebet für die Heidenbekehrung»; -haus N.: «Haus der Elisabethinerinnen» (gegenüber der Kathedrale in Luxemburg-Stadt, wo während der Oktave Missionsausstellungen stattfinden); -kräiz N.: «großes Holzkreuz zur Erinnerung an eine Mission» (vor der Kirche oder zwischen den Pfarrdörfern aufgestellt) — nom Rousekranz gët a ville Poren (Pfarreien) nach virum M. gebiet; -pater M. — s. Missionär; -priedegt F.: «Predigt zur religiösen Erneuerung»; -schwëster F.: «Missionsschwester»; -veräin M.: «Verein zur Unterstützung der Missionstätigkeit». [Bd. 3, S. 158]
 
mistereg (lok.: Grevenmacher) Adj.: «hoffärtig, dummstolz» — e mist(e)- regt Déngen (Frauenzimmer).
 
Mistri M.: «Geheimnis» — maach dach kä M. mat där Affär, 't as ewell um Bur (s. d.) erzielt gin (tue nicht so geheimnisvoll, es ist allgemein bekannt — frz. mystère).
 
Mit F.: «Miete» (bes. Moselgegend, dafür gängiger: Hauszëns — s. d. — neuerdings auch: Loyer — s. d.) — e kritt sein M. nët bezuelt.
 
Mitaine (wie frz., Ton: 1) F.: «Handschuh ohne Finger» — s. Moul.
 
miten trans. Verb.: «mieten» (Moselgegend — dafür meist: lounen — s. d.) — dazu: vermiten — s. verlounen sub 1).
 
Miter M.: «Mieter» (oft abfällig) — dafür auch: Locataire (s. d.).
 
Mitock M.: 1) «Wiedehopf» (Upupa) — dafür auch: Bëschbuppert (-bb-), Butbutt, Drecksvull, Riffer, Sténkert, Wuppert (s. d.) — in dem Volkslied von der Vogelhochzeit heißt es vom M.: de M., deen hieft der Braut den Zip op — der M. ruft: keng Steiere méi (Dicks: Vulleparlament — politische Satire); 2) «Starrkopf» — cf. Tock, Tockskapp.
 
mitockseg (Ton: 1) Adj.: «starrköpfig, eigensinnig».
 
Mitraillette (wie frz.) F.: «Schnellfeuergewehr».
 
Mitrailleuse (wie frz.), Mitrailjös F.: «Maschinengewehr».
 
Mitsch Variante zum männlichen Vornamen Misch (s. d.).
 
Mitschmatsch M.: «Mischung» (abfällig) — cf. Matsch.
 
Mitt I, Mit M.: «Honigwasser» (Met — beim Honigschleudern wurden die Rosen — s. d.— mit warmem Wasser übergossen, dann ausgequetscht und die gewonnene Flüssigkeit gekocht; in der Volksmed. wurde M. gegen Verstopfung gebraucht — so im Nösl. belegt) — séiss ewéi M. (sehr süß) — auf die Frage: wi heeschs de? gab man in Binsfeld (Nösl.) die abschlägige Antwort: virr M. an hanne Liäffkouch.
 
Mitt II F.: 1) «ein Kartenspiel» — dafür auch: Kujong (s. d.), zu Gesellen — mir hun eng Parti M. gemaacht; 2) a. «Pikdame» (zweithöchster Trumpf im Kartenspiel Kujong — s. d. sub 3) — die Ansage: d'M. geet mat oder: an d'M. verdoppelt das Spiel — M. a Konter (s. d.) oder Konter a M. (Pikdame, Herzdame und Ecksteindame ansagen und das einfache Spiel verdreifachen) — andere Bezeichnungen: Wichs, Schwaarzt, Meedchen (s. d.); b. (lok.) «Ecksteindame».
 
Mitt III F.: Abkürzung für Marmit (s. d.).
 
Mitt IV F. (lok.: Arlon): «Motte» — frz. mite.
 
Mitt V — Variante zum weiblichen Vornamen Matill (s. d.).
 
mitten trans./intr. Verb.: 1) «das weitverbreitete Kartenspiel Kujong (s. d.) oder Mitt (s. d. sub II) spielen»; 2) «die Mitt in diesem Spiel ansagen» — firwat mitts de dann nët, däi Mann huet jo d'Tromp gemaacht? — woumat soll ech da m., ech hu kee Schrom — et soll ee séngem Mann et ëmmer m. (es gilt als Regel, seinem Spielpartner durch das Ansagen der Mitt den Gewinn des Spieles verdoppeln zu helfen) — a gemitt (Ansage der Mitt) — et wor nët gemitt, et gët nëmmen een aus (die Mitt war nicht angesagt, es wird nur ein Strich weggewischt) — ech wor nët esou kéng ze m. — nach Ortsgebrauch: et gët am Tur gemitt (im Verlaufe des Spieles) oder: et gët viraus gemitt (vor dem Ausspielen der ersten Karte) — dafür auch: wichsen (s. d.).

 

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