LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Ouerläffel(chen) bis Ouschtermass (Bd. 3, Sp. 299b bis 301a)
 
-läffel(chen) M.: «löffelartiges Gerät zum Reinigen der Ohren»; -läppchen M.: «Ohrläppchen»; -mark F.: «Ohrmarke»; -rénk M.: «Ohrring» — Folkl.: das Tragen von Ohrringen verhindert Augenkrankheiten, daher trugen auch Männer früher Ohrringe — half auch gegen Kopfweh, Zahnweh — d'Schëffer (Schiffer) haten Ouerréng, dat war gutt géint d'Zännwéi; -(e)schlëffer M.: «Ohrwurm» — Folkl.: es besteht mancherorts der Glaube, heute nur noch bei Kindern, daß der Ohrwurm in das Ohr kriecht und bis zum Gehirn vordringt; -(e)schmalz N.: «Ohrenschmalz»; -stëpp(e)ler M.: «Ohrputzer»; -tachtel F. — s. -fei; -triwweler M. — s. -schlëffer; -wéi N.: «Ohrweh».
 
ouerbéideg Adj. — s. auerbéideg.
 
Ouerdrauf F. — s. Houerdrauf.
 
Ouerlaf M. — s. Houerdrauf — dazu: Ouerlaafsdrauf F. — s. Héierchen sub 2).
 
ounen, unnen, onen (auch: anen) trans./intr. Verb.: «ahnen» — et ount méch näischt Gutts — et huet mer geoont — wann ech eppes esou o., war et sele falsch.
 
Ounéng, Ounéchen, Unnéng (auch: Anung) F.: «Ahnung, Vermutung, Vorgefühl» — Nösl.: en hatt kéng A. va näist — ech hat esou eng O.
 
Ounesonndeg (lok.: Tadler — lok. Monnerich: Ousonndeg) M. — s. Bounesonndeg.
 
ouni, ount, ounst, oons(t), oni, unéi, uni (s. LSA Karte Nr. 14) A. Adv.: «ohne» — déi Saach as nët sou o. — dat geet schon o. (man braucht nichts dazu zu tun) — gët et hei eppes o.? (etwa gratis, ohne Einkaufsmarken, Bezugsschein?); B. Präp. (mit Akk., gelegtl. mit Gen.) — et geet och o. dech — o. Uurtel a Recht — Kaffi o. Mëllech — eng Schmier o. Botter — gëf mir eng (scil.: Schmier) o. (scil.: Aufstrich, Belag) — spaßh.: o. mat Botter, Geck — o. de Geck (es ist ernst gemeint) — oonst dénger wir ech nët fäerdeg gin — ech sin o. Geld — o. e Su an der Täsch as e gaang — e koum o. Hutt an o. Mantel — wat leefs de do o. Schong an Huesen (ohne Schuhe und Strümpfe) — oonst dat [Bd. 3, S. 300] do — Grompren o. Speck a Fett — o. Schlag a Stouss — o. Uursaach — o. Usch nach Wéi — o. ze zécken — o. mam Ouer ze renken (ohne Bedenken) — bei gewissen Kartenspielen: ouni? (z. B. Skat, ohne Bauern) — Frage: mat oder o.?; C. Konj. — o. ze froen — o. gefrot ze hun — dat son ech o. ze léien — e koum o. sech gewäsch ze hun — dat alles o. sech ze schummen — cf. deroonscht.
 
ous Interj. Ausruf des Staunens, der Verwunderung: «oh je» (Wa) — o. Maria! du bas dach nit verjhaust — o. nit nach!
 
ouschs. usch.
 
Ouschtren, Oustren (Osten u. Nösl.: Ust[e]ren) Pl.: «Ostern» — Bauernregel: Krëschtdag am Kléi, O. am Schnéi — fréi O., e fréit Jor — zeitbestimmend: et wor esou ëm d'O. — rout O. (erster Ostersonntag) — wäiss O. (zweiter Ostersonntag) — iron.: mäi léiwe Jong, da muss de waarde bis. O. a Päischten openeefalen (warten bis das Unmögliche eintrifft) — séng O. halen (seine Osterpflicht erfüllen) — en hält keng O. — e geet all Joër nëmmen ëm d'O. beichten — cf. Mëller, Päerdsdéif.
 
Ouschter- -apel M.: «Apfel, der sich bis Ostern hält»; N.: «Osterei» — Folkl.: An den Tagen vor Ostern werden Eier hart gekocht und gefärbt. Zur Färbung dienen heute gewöhnlich die in Geschäften feilgebotenen Färbemittel. Selten wird noch, wie ehedem, eine Abkochung von Zwiebelschalen, Veilchen, Efeublättern, Petersilie gebraucht, um den Eiern die gewünschte Farbe zu geben. Eier werden geschenkt den Kindern, den Patenkindern, den Dienstboten; vom Pfarrer an die Meßdiener; von den Pfarrkindern dem Pfarrer und dem Küster; dem Lehrer und der Lehrerin von den Schulkindern; dem Schweinehirt von jeder Haushaltung; den Burschen von den Mädchen. Wer eine Fastnachtsbrezel schenkte, erhielt die Ostereier und mußte die Schenkgeberin mat eraushuelen zum Tanz ins Wirtshaus. Der unwillkommene Bewerber erhielt zum Zeichen der Absage gelbe Eier, in Vianden gar schwarze (nach HVK. 1929, S. 260). Neuerdings werden vom Gastwirt Eier an die Kunden ausgeteilt. In der Regel gilt es drei Ostereier zu geben, zwei Eier gelten als Spottär (s. d.), daher der Spruch: eent Ä, keent Ä; zwee Äer, Spottär; dräi Äer, Ouschterär — vier Eier gelten lok. als Zeichen besonderer Gunst. Dem Briefträger werden auf dem Lande Ouschterär angeboten, dabei heißt es oft: Dir wëllt jo keng gefierft, mir gin Iech léiwer wäisser (d. h. rohe Eier). Das Ostereierschenken ist ein Zeichen von Gunst und Gutgesinntsein: engem d'O. gin — d'Ouschterär siche gon. Wird der Bursche bei einem Mädchen wegen der Ostereier vorstellig, kann es heißen: géi d'Är siche, wou s de soss higees — keng Ouschterär, kä Fliedchen, kä Päischtkränzchen, kä Kiirmesdänzchen (De la Fontaine: Sitten und Gebräuche S. 151). — Neuerdings bringt der Osterhase die Ostereier, die er im Garten oder irgendwo im Zimmer versteckt u. die von den Kindern gesucht werden müssen. — Mit dem Osterei wird im ganzen Land getéckt. Die Eier werden an der Spitze: Spëtz fir d'Ä, an den stumpfen Enden: Aasch fir d'Ä, oder an den Seiten — Schadder — gegeneinander geschlagen. Das durchgeschlagene Ei verbleibt dem Sieger. Am weißen Ostersonntag wird dasselbe Spiel mit weißen, hartgesottenen Eiern wiederholt. Viel Kurzweil verursachte das Eierticken, das heute (nur noch) vereinzelt geübt wird, ehedem aber zum richtigen Volksfest gediehen war. Auf abschüssiger Wiese wird mit einem Häl (Haue) eine Bahn geschaffen, wo die Eier abrollen, geradeaus laufend oder nach links und rechts abweichend. Trifft das Ei des folgenden Spielers auf ein liegendes, so ist das Getroffene dem Gewinner verfallen. Das getroffene Ei hat den Dadder, manchmal auch das Rollei, das getroffen und gewonnen hat. Die Bahn wird oft mit Spreu ausgelegt. Zum Schluß setzt ein allgemeines Ticken ein. Beim Ticken wird gerufen: Spëtz fir d'Ä, däint fiirt entzwä oder hochdeutsch: «ich schenke dir ein Osterei, wenn es bricht dann hast du Brei» (HVk. 1929, S. 260). — Das Rollen der Ostereier auf der schiefen Bahn (in der Wiese) oder durch eine schräg gestellte Baumrinde (Schadder) heißt schadderen, schädderen, schëllen, erschëllen. Die Sitte des Ostereierschenkens wird heute vielfach durch das Schenken von Geld, (kleineren) Wertgegenständen oder Bedarfsartikeln verdrängt, wobei jedoch bemerkt wird: dat as fir déng Ouschteräer oder: dat sin déng Ouschteräer — d'Ustereier kréien (neben der eigtl. Bed. auch: eine starke Rüge bekommen — C); [Bd. 3, S. 301] -beicht F.: «Osterbeichte» — dafür auch spaßh.: Ouschterbotz (s. d.); -béier M.: «zur Osterzeit gebrautes Spezialbier»; -blumm F.: «Osterblume» — bes.: a. «gelbe Narzisse» (Narc. pseudonarcissus); b. «gemeine Küchenschelle» (Pulsatilla vulgaris) — dafür auch: Maanskraut; -botz F.: 1) «Osterputz» — (gründliches Reinigen der Wohnung) — dafür auch: grouss Botz; 2) «Osterbeichte» (spaßh.); -bur M. — vereinzelter Flurname; -dag M.: «Ostersonntag» — rouden O. — wäissen O. (Sonntag nach Ostern) — Ra.: Ribbe bis Krëschtdag, Äppel bis O., Medercher, déi an d'drësseg gin, ronschleg a verdrësslech sin — Kinderreim: (das Huhn gackert) dick, dick, dak, muer as O.; -dënschteg M.: «Dienstag nach Ostern»; -feier I N. «Osterfeuer» (Feuer, das am Karsamstagmorgen gesegnet und an dem die Osterkerze angezündet wird); -feier II F.: «österliche Auferstehungsfeier»; -feierdeg M. Pl.: «Osterfeiertage» (Ostersonntag und Ostermontag); -gaass F.: «Gasse in Greiveldingen»; -ham F.: «Osterschinken, hieß häufig der gepöckelte, getrocknete Schweinekamm» (C) — cf. Jud(d) I; -hues (lok. auch Ton: 3 — Dim. -hies-chen) M.: 1) «Osterhase» — dafür auch nur: den Hues, den Hieschen; 2) (lok. das Dim.) «Kosewort für das Kleinkind» — s. Hues sub 2); -käerz F.: 1) «Osterkerze» (Kerze, die am Karsamstag beim Weihwassersegnen geweiht wird und während der österlichen Zeit in der Messe bis zum Evangelium von Christi-Himmelfahrt an der Evangelienseite des Altars brennt) — spaßh.: deem war beim Defen d'O. op de Kapp gefall (von einem Kahlköpfigen, der einen eigenartig geformten Schädel hat); 2) «Königskerze» (Verbascum thapsiforme) — s. Kinnekskäerz; -lämmchen N.: «um Ostern geborenes Lamm»; -luzei, -lazei F.: «gemeine Osterluzei» (Aristolochia clematitis) — Volksmed. gebraucht als Heilmittel bei Viehkrankheiten; -mass F.: «feierliche Messe am Ostersonntag»;

 

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