LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Ouschterapel bis owes (Bd. 3, Sp. 300a bis 302a)
 
N.: «Osterei» — Folkl.: An den Tagen vor Ostern werden Eier hart gekocht und gefärbt. Zur Färbung dienen heute gewöhnlich die in Geschäften feilgebotenen Färbemittel. Selten wird noch, wie ehedem, eine Abkochung von Zwiebelschalen, Veilchen, Efeublättern, Petersilie gebraucht, um den Eiern die gewünschte Farbe zu geben. Eier werden geschenkt den Kindern, den Patenkindern, den Dienstboten; vom Pfarrer an die Meßdiener; von den Pfarrkindern dem Pfarrer und dem Küster; dem Lehrer und der Lehrerin von den Schulkindern; dem Schweinehirt von jeder Haushaltung; den Burschen von den Mädchen. Wer eine Fastnachtsbrezel schenkte, erhielt die Ostereier und mußte die Schenkgeberin mat eraushuelen zum Tanz ins Wirtshaus. Der unwillkommene Bewerber erhielt zum Zeichen der Absage gelbe Eier, in Vianden gar schwarze (nach HVK. 1929, S. 260). Neuerdings werden vom Gastwirt Eier an die Kunden ausgeteilt. In der Regel gilt es drei Ostereier zu geben, zwei Eier gelten als Spottär (s. d.), daher der Spruch: eent Ä, keent Ä; zwee Äer, Spottär; dräi Äer, Ouschterär — vier Eier gelten lok. als Zeichen besonderer Gunst. Dem Briefträger werden auf dem Lande Ouschterär angeboten, dabei heißt es oft: Dir wëllt jo keng gefierft, mir gin Iech léiwer wäisser (d. h. rohe Eier). Das Ostereierschenken ist ein Zeichen von Gunst und Gutgesinntsein: engem d'O. gin — d'Ouschterär siche gon. Wird der Bursche bei einem Mädchen wegen der Ostereier vorstellig, kann es heißen: géi d'Är siche, wou s de soss higees — keng Ouschterär, kä Fliedchen, kä Päischtkränzchen, kä Kiirmesdänzchen (De la Fontaine: Sitten und Gebräuche S. 151). — Neuerdings bringt der Osterhase die Ostereier, die er im Garten oder irgendwo im Zimmer versteckt u. die von den Kindern gesucht werden müssen. — Mit dem Osterei wird im ganzen Land getéckt. Die Eier werden an der Spitze: Spëtz fir d'Ä, an den stumpfen Enden: Aasch fir d'Ä, oder an den Seiten — Schadder — gegeneinander geschlagen. Das durchgeschlagene Ei verbleibt dem Sieger. Am weißen Ostersonntag wird dasselbe Spiel mit weißen, hartgesottenen Eiern wiederholt. Viel Kurzweil verursachte das Eierticken, das heute (nur noch) vereinzelt geübt wird, ehedem aber zum richtigen Volksfest gediehen war. Auf abschüssiger Wiese wird mit einem Häl (Haue) eine Bahn geschaffen, wo die Eier abrollen, geradeaus laufend oder nach links und rechts abweichend. Trifft das Ei des folgenden Spielers auf ein liegendes, so ist das Getroffene dem Gewinner verfallen. Das getroffene Ei hat den Dadder, manchmal auch das Rollei, das getroffen und gewonnen hat. Die Bahn wird oft mit Spreu ausgelegt. Zum Schluß setzt ein allgemeines Ticken ein. Beim Ticken wird gerufen: Spëtz fir d'Ä, däint fiirt entzwä oder hochdeutsch: «ich schenke dir ein Osterei, wenn es bricht dann hast du Brei» (HVk. 1929, S. 260). — Das Rollen der Ostereier auf der schiefen Bahn (in der Wiese) oder durch eine schräg gestellte Baumrinde (Schadder) heißt schadderen, schädderen, schëllen, erschëllen. Die Sitte des Ostereierschenkens wird heute vielfach durch das Schenken von Geld, (kleineren) Wertgegenständen oder Bedarfsartikeln verdrängt, wobei jedoch bemerkt wird: dat as fir déng Ouschteräer oder: dat sin déng Ouschteräer — d'Ustereier kréien (neben der eigtl. Bed. auch: eine starke Rüge bekommen — C); [Bd. 3, S. 301] -beicht F.: «Osterbeichte» — dafür auch spaßh.: Ouschterbotz (s. d.); -béier M.: «zur Osterzeit gebrautes Spezialbier»; -blumm F.: «Osterblume» — bes.: a. «gelbe Narzisse» (Narc. pseudonarcissus); b. «gemeine Küchenschelle» (Pulsatilla vulgaris) — dafür auch: Maanskraut; -botz F.: 1) «Osterputz» — (gründliches Reinigen der Wohnung) — dafür auch: grouss Botz; 2) «Osterbeichte» (spaßh.); -bur M. — vereinzelter Flurname; -dag M.: «Ostersonntag» — rouden O. — wäissen O. (Sonntag nach Ostern) — Ra.: Ribbe bis Krëschtdag, Äppel bis O., Medercher, déi an d'drësseg gin, ronschleg a verdrësslech sin — Kinderreim: (das Huhn gackert) dick, dick, dak, muer as O.; -dënschteg M.: «Dienstag nach Ostern»; -feier I N. «Osterfeuer» (Feuer, das am Karsamstagmorgen gesegnet und an dem die Osterkerze angezündet wird); -feier II F.: «österliche Auferstehungsfeier»; -feierdeg M. Pl.: «Osterfeiertage» (Ostersonntag und Ostermontag); -gaass F.: «Gasse in Greiveldingen»; -ham F.: «Osterschinken, hieß häufig der gepöckelte, getrocknete Schweinekamm» (C) — cf. Jud(d) I; -hues (lok. auch Ton: 3 — Dim. -hies-chen) M.: 1) «Osterhase» — dafür auch nur: den Hues, den Hieschen; 2) (lok. das Dim.) «Kosewort für das Kleinkind» — s. Hues sub 2); -käerz F.: 1) «Osterkerze» (Kerze, die am Karsamstag beim Weihwassersegnen geweiht wird und während der österlichen Zeit in der Messe bis zum Evangelium von Christi-Himmelfahrt an der Evangelienseite des Altars brennt) — spaßh.: deem war beim Defen d'O. op de Kapp gefall (von einem Kahlköpfigen, der einen eigenartig geformten Schädel hat); 2) «Königskerze» (Verbascum thapsiforme) — s. Kinnekskäerz; -lämmchen N.: «um Ostern geborenes Lamm»; -luzei, -lazei F.: «gemeine Osterluzei» (Aristolochia clematitis) — Volksmed. gebraucht als Heilmittel bei Viehkrankheiten; -mass F.: «feierliche Messe am Ostersonntag»; -méindeg M.: «Ostermontag» — cf. Éimaischen; -mount M.: «Ostermonat» (März); -schell F. — s. -luzei; -sonndeg M.: «Ostersonntag» — den zweten O. (Sonntag nach Ostern) — dafür auch: wäiss(en) Ouschteren, wäissen Ouschterdag; -vakanz F.: «Osterferien»; -woch F.: 1) «Karwoche»; 2) «Woche nach Ostern»; -zäit F.: 1) «Zeit um Ostern»; 2) (im kirchlichen Sinne) «zur Erfüllung der Osterpflicht festgesetzte Zeit» — dafür auch: éisterlech Zäit.
 
ouseleg, ousselig, ouselzeg, oseleg, (Nösl.: uselig — für Echternach veraltet) Adj.: «schmutzig» (eigentl. und übtr.) — sou ent ouselzegt Déngen — wat féiert deen o. Rieden — sou eppes Ouselzeges hues de nach nët gesinn — cf. ausselech.
 
Ousterfiiss-chen M.: «Pfiffikus» — cf. Lauschterfiiss-chen.
 
Ouval, Oval N. und M.: «Oval».
 
ouwal, (h)ouwaleg, oval Adj.: «oval» — d'Bidden as (h)ouwaleg (Rundwölbung, Bauchung, elfter Stich) oder längs-oval (Bauchung, dreizehnter Stich — Tockert: Winzersprache, Annuaire 1928, S. 79).
 
Ouwéngen (Nösl.: Ouwiën, lok. Grevenmacher: Owëgen) Pl.: «Umstände» — s. Uwoën.
 
Ouwer (Nösl.) N.: «Ufer» — s. Uw(w)er.
 
Ouz M.: «Aas» — e sténkt wéi en O. — s. Oz sub 4).
 
Ouzlaach (lok.: Remich) F.: «früherer (toter) Nebenarm der Mosel» — dafür auch: Päerdsmusel (s. d.).
 
ouzen, ouen intr. Verb.: «oho sagen, sich wundern» — du brauchs nët sou domm ze o., du weess gutt wat ech mengen.
 
ovals. ouwal.
 
Ovatioun F.: «Ovation» — eng O. virum Palais.
 
Owebrout N.: «Vesperbrot» — cf. Ombrout.
 
Owebroutskuerf M.: «Deckelkorb mit Henkel zum Hinausbringen des Vesperbrotes» — cf. Ombroutskuerf.
 
Owend (älter: Owecht, Owicht — s. LSA Karte 97 — Pl. Owenter) M.: 1) «Abend» — géint den O. neben: géint O., géint der O. — et gët esou lues O. — zans ëm den O. — e Freideg (den) O. (Freitag abend) — e Samschdeg z'O., ze O., zen O. (Samstag abend) — gëschter, gëscht (den) O. (gestern abend) — ech kommen där Owenter een — den Owend sin ech do — mar z'O. neben mar den O., Nösl.: muarren O. — als Gruß: gudden [Bd. 3, S. 302] O., verkürzt zu: Nowend — lok.: deen huet ewell laang kee gidde Muergen a kee gidden Owicht fir is méi (grüßt uns schon lange nicht mehr) — e gemittlechen, e schéinen O. (Abendunterhaltung) — jidd(er) O. — tëscht O. an Nuecht; 2) «Westen» — d'Stéck as nom O. geleën — dat (Stéck) läit ënner O. (Ggs.: op fréi Muergen) — Zussetz.: Braut-, Bräitjemanns-, Familjen-, Feier-, Hellger-, Hären-, Kälen-, Kaarten-, Summer-, Wanterowend.
 
Owendiessen (lok.: Lux.-Stadt) N.: «Abendessen» — dafür meist: Nuechtiessen (s. d.).
 
owes Adv.: «abends» — Wetterregel: o. rout, muerges gout, o. bleech, muerges Seech — o. giel, muerges schiel — Spw.: o. nët schlofen a muerges nët op, faul, liddreg a glott — Zus.: kee Gott a kee Gebott — iron.: hie steet nëmmen o. fréi op (er hat abends den guten Vorsatz zum Frühaufstehen) — hien huet o. säi Kont (er ist abends abgearbeitet, todmüde, auch: er ist abends stets betrunken) — o. erausgoen — en as o. ëmmer spéit eraus (abends spät unterwegs) — da's vill ze schwéier fir o. (vom Essen gesagt) — all owes (jeden Abend);

 

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