LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Urban, Urbéng, Urbani bis uuchten (Bd. 4, Sp. 385b bis 387a)
 
Urban, Urbéng, Urbani männlicher Vorname: «Urban» — auch: Urbain (wie frz., Ton: 1), Urbanéi, Urbanes, Urbes, Ubbes, Bani — Wetterregel: as am 25. Mee Urbani klor, da gët et e gutt Wäijor.
 
urbéidegs. auerbéideg.
 
urdälegs. auerdäleg.
 
urdenklech Adj.: «undenklich» — en as zënter urdenklechen Zäiten am Land.
 
uregs. uerg. [Bd. 4, S. 386]
 
Urelteren Plur. tant.: «Ureltern».
 
Urenkel M., Urenkelkanner Pl. N.: «Urenkel(kinder)».
 
uresch, uursch, uersch, urschen(t) (lok. Wiltz: urrisch, Echt.: uerschent, Nösl.: urresch) Adj./Adv.: 1) «schmutzig» (meist von der Leib-, Bettwäsche ges.) — uersche, uersch(t) Léngent — en uersch(en)t Hiem — séng Hiemer sin esou u. — si gesäit ëmmer sou u. aus, as hätt se keng Seef am Haus — en uersche Kärel — lok. Wiltz: engt urrischt Framënsch — du gës déi leschten Zäit sou u. (uerschen — du vernachlässigst dich) — en as u. am Gesiicht — et richt esou u. an deem Haus — Volksmed.: Kanner, déi d' Häerzgespann (s. d.) hun, gin an en uersche Maanshiem agewéckelt — cf. schmuddeleg — substantiv.: Uerschenen M., Uerschent N., Uerschen F.; 2) «abgetragen, abgenutzt» — en uersche Palto — Echt.: deen Dësch as u. (wacklig) — cf. Uerschdicherkummer.
 
Urgroussmamm F.: «Urgroßmutter».
 
Urgrousspapp M.: «Urgroßvater».
 
Urinchen (lok.: Remich) F.: «Guckfenster» — dafür lok. auch: Räitchen (eigtl. kleine Fensterscheibe).
 
Urlaub M. — wie hd. — cf. Congé sub 2), Verläf.
 
Ursaach (veraltet: Auersaach) F.: «Ursache, Grund» — Ra.: d'Ursaache si fir ze (ge-)brauchen — dorunner (dat) sin (allerhand) Ursaache schold — wéint aner Ursaache gin ech nët mat — du hues keng U. fir dech esou domm ze stellen — 't fënt een ('t fënt sech) ëmmer eng U. (Vorwand) — en hat huerteg eng U. fond — deen huet ëmmer eng U. — deen huet all U. fir de Mond ze halen — abweisend: du hues och nach U.! — da's keng U. — eng gutt U. — auf eine Dankesformel erfolgt die Erwiderung: keng U.! (bitte!).
 
Urschel weiblicher Vorname: «Ursula».
 
Ursusdrot M.: «Art Maschendraht» (nach der Fabrikmarke Ursus).
 
ursprénk(er)lech Adj.: «ursprünglich».
 
Urspronk (Pl. Urspréng) M.: «Ursprung».
 
Urwald (Nösl. kurzes u) M.: «Urwald».
 
us lok. Var. Schengen von eis (s. d.).
 
Urts. Uurt.
 
Usch männlicher Vorname — s. Ujhän; weiblicher Vorname — s. Ujhëni.
 
usch, uscher, utsch Interj.: «au weh!» (Ausruf des plötzlichen Schmerzes — cf. au, autsch) — u., du dees mer wéi! — substantiv.: Usch — e seet weder U. nach Wéi (er sagt gar nichts) — hie wosst weder Usch nach Wéi — 't war elauter U. a Wéi (Gejammer) — Echt.: mat Usch a Wi beloade säin — Ra.: wie bleift bei der éischter Éi (Ehe), dee kennt weder Usch nach Wéi.
 
uscheg, utscheg Adj.: «zimperlich» — sief nët esou u.!
 
uschen, uscheren intr. Verb.: «wehklagen, jammern» — C (Echt.): dou hoas awer och ëmmer ze u. — dafür lok. Nösl.: wuscheren.
 
Uschert, Utschert M.: «Schmerzensschrei».
 
Uscheler, Uschler M. — s. Uelegschléier — auch als Stellenbez. (z. B. bei Clerf), Flurname, Hausname.
 
Uschelt F.: «nachlässige Frauensperson» (Wb.06).
 
Usel (lok. Var.: Ousel) F.: «schlampige Frau» — cf. Uschelt.
 
Useldéng ON.: «Useldingen» — Dorf und Gemeinde Useldingen, Kanton Redingen — 222 — attrib.: d'Useldénger Schlass — déi Useldénger (Einwohner von U.).
 
useleg, ueselegs. ouseleg.
 
Uses männlicher Vorname (lok. Var.): «Isidor» — s. Isi.
 
Usin, Usine (letztes wie frz., beide Ton: 1, letzteres auch Ton: 2) F.: «Industrieanlage, Hüttenwerk» — Zussetz. in ON.: Kolmer-Usin im Ggs. zu Kolmer-Bierg (Kolma-Bierg) und Kolmer-Bréck, Wecker-U., Bissen-U.
 
Usus M. — wie hd. — dat as esou U. hei — cf. Brauch.
 
outilléiert (u-) Verbadj.: «ausgerüstet» — ech si gutt o., fir dat gewuer ze gin — en Handwierksmann as gutt, schlecht o.
 
Uucht, Ut (Mittel- u. Südösl.: uuçt — cf. Ltb. 48) F.: 1) «Abend, Abendstunden» — wenn es im Herbst früher dunkel wird, heißt es: lo gin d' (déi laang) Uuchten (die langen Abende) un, im Frühjahr: d'Uuchte sin eriwwer — lok.: mir sin eréischt an der U. (lok. Wiltz: un der U.) heemgaang (in den Abendstunden); 2) a. (meist) «geselliges Beisammensein der Nachbarschaft in den Abendstunden» (Folkl.: in den Winterabenden fanden sich früher die Nachbarn, reihum, zu geselligem Tun [Spinnen, Erzählen, Singen] zusammen, man sparte auf diese Weise Licht und Brand) — an d' U. goen (dafür auch: uuchten, zur, zer, z'r-uuchte goen) — d'Jongen aus dem Duerf sin alt soss bei d'Medercher [Bd. 4, S. 387] an d'U. gaangen — ech weess et aus der U. — d'U. fortschécken (in Esch-Sauer bestand früher der Gebrauch, auf Karfreitagabend d'U. fortzeschécken; auf eine kleine Diele wurde eine Wachskerze befestigt, diese angezündet und hinter der Mühle in die Sauer gelassen, wo sie langsam die Seitenströmung des Flusses hinabschwamm — Das Luxemburger Land, 1886, S. 285) — Zussetz.: Doudenuucht.
 
Uuchteblumm (lok. Kautenbach: Uchteblumm) F.: «Herbstzeitlose» — cf. Luuchteblumm.
 
uuchten intr. Verb.: «sich zur Uucht zusammenfinden» — kommt emol bei eis u. (besuchen Sie uns mal abends!) — d'Kopp geet bei den Hënner u. (von einem Kahlkopf gesagt) — de Bauch geet bei den Hënner u. (von jem. gesagt, der sehr mager ist) — cf. Uucht sub 2).

 

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